Jahrgang 
89 (1986) / N.S. 40
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Gustav Gugitz( dem Vater des bekannten Wiener Volkskundlers) in klassizie-rendem Barock errichteten Gebäude. Seine de jure bis 1974 von eigenen Wissen-schaftlichen Vereinen geschaffenen und getragenen drei Hauptabteilungen sind zumTeil wenigstens schon früher, nämlich die landesgeschichtliche 1836, die naturwis-senschaftliche 1848 und die volkskundliche später im Jahre 1925 begründet worden.Dieses gemeinsame Kärntner Landesmuseum war denn auch zugleich Sitz der Trä-gervereine und leistete durch viele Generationen die zentrale Forschungs- und Sam-melarbeit für das Land. Seine Überführung in den Besitz und in die Verwaltung desLandes und sein entscheidender Wiederaufbau und wissenschaftlicher Ausbau zueinem, Landesmuseum, im eigentlichen Sinne mit einer ganzen und bedeutendenReihe von musealen Außenstellen, gehört ohne Frage zu den hervorragendsten undbleibenden kulturellen Leistungen des Landes Kärnten und seiner offiziellen Stellenim Zuge des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg.

Zum Anlaß der 100- Jahr- Feier ist nun dieser ebenso repräsentative wie nobel aus-gestattete Band erschienen. Es ist kein Führer durchs Museum, sondern ein Tafel-werk, das dessen Schätze in einer engeren Auswahl und mit relativ knappen Begleit-texten bzw. Bilderläuterungen in ganzseitigen Reproduktionen in Schwarzweiß,mehrheitlich aber in Farbe bringt. Ulrich Schwarz hat als Museumsfotograf seinBestes getan; in den Offset- Repros gelangen allerdings die Farbtafeln besser als diein einzelnen Fällen etwas eingesunkenen Schwarzweißbilder.

Wer mit der dornenvollen Geschichte der Vereinssammlungen dieses Museumsnäher vertraut ist, der wird sich besonders über die volle Integration und Entfaltungder Abteilung für Volkskunde dieses Museums freuen, die denn auch in einer größe-ren Serie von hübschen Bildtafeln mit verschiedenen Volkskunstgegenständen undvor allem mit Möbeln wie auch mit ihrer Außenstelle des Kärntner Freilichtmuseumsin Maria Saal bemerkenswert vertreten erscheint und damit einige besondere Kost-barkeiten aus ihren Sammlungen vorweist. Es berührt den Betrachter und Leserdurchaus sympathisch, daß der besondere Anlaß zu dieser Schrift und deren reicheAufmachung auf jeglichen Personenkult verzichtet, ja sich sogar der mit der Bucher-stellung zuvörderst befaßte derzeitige Direktor des Museums mit seinem kurzenGeleitwort denn doch wohl etwas zu bescheiden hinter dem Enigma seiner InitialenG. P.( Gernot Piccottini) verbirgt; er gibt immerhin einen knappen Abriß seiner gro-Ben Institution, und auf der Impressumseite sind auch seine facheinschlägigen Mit-arbeiter namentlich angeführt. In einer 100- Jahr- Gedenkschrift allerdings wäre denHerausgebern keine Perle aus der Krone gefallen, wenn man in den Vorberichten zuden einzelnen Abteilungen und Sammlungen auch jener Vorgänger und Museums-betreuer gedacht hätte, ohne deren selbstlosen und vielfach unbedankten Opfersinn,deren persönlichen Weitblick und deren schwierige Sammel- und Rettungs-bemühungen in wesentlich notvolleren Zeiten und durch Jahrzehnte hindurch jadiese großartigen Kärntner Sammlungen vermutlich kaum existieren würden unddaher wohl auch nicht wie hier in einer an sich so erfreulichen und aufwendigen Formvorgewiesen werden könnten.

Oskar Moser

Heimat als Erbe und Auftrag. Beiträge zur Volkskunde und Kulturgeschichte. Fest-schrift für Kurt Conrad, Direktor des Salzburger Freilichtmuseums, zum 65. Ge-

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