Jahrgang 
89 (1986) / N.S. 40
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als Normatage"( 328 f.) nach einem Hofkanzlei- Dekret Franz I. vom 24. 8. 1826und dem Österreichischen Amts- Kalender von 1924 sein. Typische Arbeitstermineschlagen sich auch in Festtagsnamen nieder, wie etwa im Laubrech- Frauentag zumFest Mariä Opferung( 21. 11.) in Südtirol( 215), im Pesenreisach- Frauentag" inOberösterreich( 215), im Sichel- Frauentag" für Mariä Heimsuchung( 2. 7.), inKärnten auch der hoamlane Frauntag" genannt, oder dem Sensenzwick- Frauen-tag" für denselben Termin Anfang Juli in Schwarzau/. Solche wichtige Arbeits-termine waren früher auch die sogenannten ,, Mad( er) tage, die sich sowohl auf dieHeimwiesen wie auf die Bergwiesen oder die Almmahd beziehen können( 290 f.).Zugleich mag einem an diesem Material bewußt werden, wie sehr sich unser heutigerArbeitsalltag einer neuen Zeitordnung einfügt, seit wir nicht mehr nur nach Arbeits-und Feiertagen allein rechnen, sondern nach Stunden oder nach ,, Schichten u. dgl.

Das WBO stellt uns jedenfalls auch für Überlegungen dieser Art ein durchwegsexakt und quellengetreu vermerktes Material von bisher kaum erreichter Fülle undAusführlichkeit zur Verfügung.

Oskar Moser

A. O. Viires, I. A. Leínasare, V. I. Morkunas, M. G. Rabinovič( Hgg.), Istoriko-etnografičeskij atlas Pribaltiki: Zemledelie( Historisch- ethnographi-scher Atlas des Baltikums: Landwirtschaft). Vilnius, Verlag Mokslas, 1985, 139Seiten Kommentar, 54 Karten.

Eine neue wertvolle Arbeit kam zu den europäischen ethnographischen Atlantenhinzu. Als erster Teil einer geplanten Serie( weitere Teile: Volkstracht, Gebäude)ist der landwirtschaftliche Atlas der drei baltischen Völker- Esten, Letten, Litauer- erschienen. Der Kommentarband und die 54 Karten schildern die Zustände, wiesie seit Ende des 19. bis Anfang des 20. Jahrhunderts bestanden, und dies auf fünfeinleitenden Karten( administrative Einteilung, kulturhistorische Gebiete, dieethnische Karte, Bodenverhältnisse, Landwirtschafts- und Waldgebiet). Von dentraditionellen Pfluggeräten bis zur Flachsarbeit lernen wir eine lange Reihe vonArbeitsweisen und-geräten kennen, so etwa die Eggen, die Saat und ihre Geräte,die Klee- und Getreideernte, die Trocknungs- und Dreschmethoden, die Hand-,Wasser- und Windmühlen sowie die Geräte des Flachsanbaues. Im Atlas und demKommentarband finden wir Arbeiten über die Pflugneuerungen des 19. Jahrhun-derts, die erste Mechanisierung der Landwirtschaft( Säe- und Mähmaschinen) sowieüber die verschiedenen Zugtiere. In der geschichtlichen Deutung des kartografi-schen Materials berücksichtigen die Verfasser die Ergebnisse der archäologischenund philologischen Forschungen; mit Hilfe statistischer Angaben untersuchen sie dieQuantität sowie die Korrelation von alt und neu. Überaus inhaltsreich ist die zusam-menfassende Geschichte des baltischen Ackerbaues, einschließlich der Kulturpflan-zen. Im baltischen Raum wurden bereits im ersten Jahrtausend Triticum dicoccum,Triticum aestivum, Secale cereale, Panicum miliaceum, Pisum sativum, Vicia fabausw. angebaut. Der Ackerbau der drei baltischen Völker hat zahlreiche archaischeGeräte aufbewahrt. Die Esten benützten etwa einen abgeästeten Fichtenstamm alsEgge, während gleichzeitig in den westlichen lettischen und litauischen Gegendendie modernen Zahneggen erschienen. Verschiedene Varianten des Haken- undGabelpfluges( ralo und socha) kommen im Baltikum vor. Die ersteren sind zwei-fellos westlicher Herkunft, einer ihrer Vorgänger war der Døstrup- Pflug. Die

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