Literatur der Volkskunde
Wörterbuch der bairischen Mundarten in Österreich( WBO). Herausgegeben vonder Kommission für Mundartkunde und Namenforschung der ÖsterreichischenAkademie der Wissenschaften, 24. Lieferung( 2. Lieferung des 4. Bandes). Wien,Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, 1985, Spalten193-284.
Diese zweite Lieferung zum 4. Band des„, Wörterbuchs der bairischen Mundartenin Österreich( WBÖ)" setzt ausschließlich den gewaltigen Artikel„ Tag“ mit denStichworten( Erge) tag“ bis„( Sunn) tag" in seiner enormen Fülle an Wortzusam-mensetzungen und Begriffsbildungen fort.*) Dementsprechend fällt gerade dieserTeil des WBÖ für den volkskundlich interessierten Leser und Benützer ins Gewicht.Er enthält alles, was eben mit Fest- und Feiertagen, Brauch und Glaube, Rechts-gewohnheiten und Arbeitsterminen in Landwirtschaft, Handwerk, Industrie undGewerbe zusammenhängt, verzeichnet die verschiedensten Jahrtage mit ihren regio-nalen oder lokalen Fixierungen, angefangen vom Festbrauch bis zur Spruchpraxisdes Alltages, zum Wetterglauben und zu den vielfältigen Wetterregeln. Alles das isthier aus den eigenen Erhebungen für das Wörterbuch, aus historisch- literarischenQuellen wie auch aus der regionalen volkskundlichen Standard- und Spezialliteratureingearbeitet worden. Man wird daher an den materialreichen Artikeln zu bestimm-ten Brauchterminen ebensowenig vorbeigehen können wie an vielen eigenartig aus-geprägten Tagesbezeichnungen bestimmter Landschaften. Zu den ersteren ver-weisen wir als Beispiele nur auf etliche besonders wichtige Brauchtage im Jahrlauf,wie„ Frauentag"( Sp. 212-215),„ Jahrtag“( 238 f.),„ Kindlein( s) tag“( 245 f.),„ Dreinageltag“( 227 und 326 f.) und auf die in bestimmte Festzeiten des Kirchenjah-res eingebundenen Wochentage des„ Montag“( 291-310),„ Freitag"( 215-229)oder„ Samstag"( 336–356) und„( Sunn) tag“( 370-384 ff.); besonders verwiesen seiauf die Bedeutungsentwicklung und Bedeutungsvielfalt von„ Kirchtag" in Öster-reich( 246-275). Daneben gibt es dann eine Fülle besonderer Tagesbezeichnungen,zum Teil von arbeitsrechtlicher Natur wie die bisher wenig bedachten Kästage" dersüdöstlichen Steiermark( 243) oder die bekannteren„ Schlänkeltage"( 358-360)oder ,, Schwendtage“( 362 f.) der bäuerlichen Dienstboten. Spezifisch Österreichischdürfte die noch in meiner Jugend sehr geläufige Bezeichnung bestimmter Feiertage
*) Siehe ÖZV XXXIX/ 88, Wien, 1985, S. 74–76.
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