Walther Heissig( Bonn) ging in„ Schamanistische Relikte in der Hexengestalt deralpenländischen Sage" der Frage nach, inwieweit in der alpenländischen Überliefe-rung neben den bisher festgestellten Parallelen zu antiken und orientalischen Glossar ::: zum Glossareintrag orientalischen Vor-stellungen auch eurasische Übereinstimmungen anzutreffen sind. Sein Referatzeigte überraschende Gemeinsamkeiten der Vorstellungsinhalte der verschiedenenKulturen auf.
Gerda Grober- Glück( Bonn) behandelte„ Probleme kartographischer Darstel-lung von Phänomenen der Volkssage und des Volksglaubens" speziell an den Bei-spielen„ Aufhocker“ und„ Zweites Gesicht" an Hand der von ihr zu diesem Themaerstellten Karten im ADV.
Hans- Jörg Uther( Göttingen) referierte seine„ Überlegungen zur Klassifizierungalpenländischer Sagen“, wobei er besonders auf die Notwendigkeit der Klassifika-tion des Erzählguts für die Systematisierung des gesammelten Materials als eine zen-trale Aufgabe einer komparatistisch orientierten Erzählforschung hinwies und ein5- Punkte- Programm der Aufgaben und Forderungen diesbezüglich erstellte.
Lutz Röhrich( Freiburg i. B.) befaßte sich in seinem Referat„ ,, Probleme der Inter-pretation von Volkserzählungen“ mit Deutung und Bedeutung von Erzählstoffenund den durch diese vermittelten Botschaften als verschlüsselte philosophische,allegorische, symbolische und religiöse Wahrheiten.
Ulrike Kindl( Venedig) sprach über„ Die im ladinischen Kulturinstitut in Vigo/Fassa aufbewahrten Sammlungen mündlichen Erzählgutes", wobei ebenfalls dieProbleme der Klassifikation, Datierung und Auswertung angesprochen wurden.
In den jeweils nachfolgenden Diskussionen wurden die aufgeworfenen Fragenunter speziellem Bezug auf die Volkserzählung in Südtirol ausführlich abgehandelt.In der Schlußdiskussion wurden neben dem Entschluß, das Symposion zur Volkser-zählung in Zukunft alljährlich auf der Brunnenburg zu veranstalten, auch die anste-henden Pläne und Aufgaben diskutiert. Dazu zählen vor allem eine Bestandsauf-nahme der mündlichen und schriftlichen Quellen der Volkserzählung Südtirols unddie Einrichtung eines zentralen Archivs, um die Auswertung der gesammelten Stoffezu ermöglichen und zu fördern.
Die Ausführung dieser Pläne obliegt dem Institut für Volkskunde der UniversitätInnsbruck in Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis Brunnenburg und den zuständi-gen Stellen der Kulturabteilungen und der Heimatpflege Nord- und Südtirols. Dassehr arbeitsintensive„ Zweite Symposion zur Volkserzählung" erbrachte dazu vorallem die theoretischen Grundlagen, die nun in die Praxis umzusetzen sind. Umdiese Aufgabe zu erleichtern, soll zunächst eine Bibliographie der Erzählforschungund Erzählsammlungen im Tiroler/ Südtiroler Raum erarbeitet werden.
Hartmut Prasch
,, Wissenschaftliche Jacob- Grimm- Konferenz" der Serbischen Akademie derWissenschaften und Künste( Srpska akademija nauka i umetnosti, SANU) zuBelgrad, 11. bis 14. November 1985
Aus Anlaß des 200. Geburtstages von Jacob Grimm( Hanau in Hessen, 4. 1.1785), einstmals korr. Mitglied jener gelehrten Gesellschaft( Društvo srpske slo-vesnosti, 1841-1864), aus der nach einer Zwischenorganisation später, endgültig
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