palais am Gartenring, dessen Hauptgebäude aus dem Ende des 18. Jahrhundertsstammt. Bevor das Museum einzog, diente das Gebäude als Sitz des Ministerratesder russischen Föderation. Das junge Museum befindet sich erst im Aufbau. DieSammlungen umfassen derzeit 24.000 Inventarnummern. Das Museum beschäftigt50 wissenschaftliche Mitarbeiter und hat insgesamt 200 Beschäftigte. Der Objektbe-stand umfaßt Möbel, Keramik, Lackminiaturen, Textilien( russische Kostüme,Webereien, Stickereien, Gobelins), Glas, Porzellan, Samoware, Spielzeug. Die der-zeitige Ausstellung, die ständig erweitert wird, zeigt Teile von alten Holzhäusern,Gebrauchsgegenstände aus Holz, Geschirr aus russischen Dörfern, Spinnrocken,bemalte Möbel aus dem russischen Norden, Zierhandtücher, auf welchen früher denGästen Brot gereicht wurde, Birkenrindearbeiten, bemalt oder geschnitzt, Holz-arbeiten aus Chochloma, mit Lack überzogene Schüsseln, Teller, Becher, Löffeln,Lebkuchenmodel, Blaudruckmodel, Lackminiaturen aus vier Herstellungszentren,die berühmtesten sind Fedoskino und Palech, Puppen aus dem Wolgagebiet, Spiel-zeug aus Holz und Keramik, Patchworkarbeiten, Fleckerlteppiche, Wandbehänge,Pfeifchen in Tier- und Menschengestalt, Samoware aus zwei Jahrhunderten, dieberühmtesten aus Tula in der Nähe Moskaus, Musikinstrumente, einen großen Saalmit Keramik, vornehmlich aus den Herstellungszentren Moskau und Leningrad.Der Aufbruch der neuen Zeit nach 1917 dokumentiert sich in einer Vielfalt von revo-lutionären Motiven, hauptsächlich auf Ziertellern. Dieser Keramik der zwanzigerJahre ist zur Zeit auch eine Sonderausstellung im Museum gewidmet. Eine weitereSonderausstellung zeigt Rekonstruktionen von Objekten der zwanziger Jahre, vorallem Geschirr und Kleidung. Ein weiterer großer Saal ist historischen und moder-nen Glasarbeiten gewidmet. Die Hälfte der Exponate sind Glaskunst per se.Skulpturen, Objekte ohne Gebrauchswert. In einem Kostümsaal sind die zwei gro-Ben Kleiderregionen Nord und Süd, der Norden strenger in Farbe und Form, derSüden bunter, hauptsächlich durch Sarafane, Tücher und Kopfbedeckungen, doku-mentiert.
Das Museum besitzt eine Fachbibliothek, welche allerdings nur den Mitarbeiternund fachverwandten Institutionen zur Verfügung steht. Das GesamtrussischeMuseum für dekorative angewandte Kunst versteht sich über seine Funktion alsSammlungs- und Präsentationsstelle hinaus als umfassendes kulturelles Zentrum. Esveranstaltet wissenschaftliche Konferenzen, Treffen zwischen Publikum und bilden-den Künstlern, Konzerte von musikalischen Ensembles. Auf Einladung desMuseumsdirektors konnte die Berichterstatterin auch an einer Sitzung der Kommis-sion für Neuankäufe teilnehmen. Diese Kommission besteht aus den jeweils zustän-digen wissenschaftlichen Mitarbeitern des Museums, aus Mitgliedern einer Gesell-schaft der bildenden Künstler, zu dessen Vorstand der Direktor des Gesamtrussi-schen Museums gehört, und aus Leitern verschiedener anderer Museen. DieObjekte, deren Ankauf zur Diskussion stand, stammten von Sammelfahrten desMuseumspersonals, von gezielten Besuchen bei Kunsthandwerkern oder warenAuftragswerke nach Bestellungen des Museums. Es handelte sich um Stücke ausdem 18. Jahrhundert bis zu Neuanfertigungen aus der Gegenwart. Jedes einzelneStück wurde gezeigt, erläutert und über dessen Ankauf diskutiert.
Für die Aufbauarbeiten der Wiener Gastausstellung standen nur drei Tage zurVerfügung, was einen äußerst intensiven Arbeitseinsatz erforderlich machte. DiePräsentation von Objekten und Dokumentationsmaterial erfolgte jedoch nach allenGesichtspunkten moderner Museologie. Die Eröffnung der Ausstellung fand am
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