scheidenheit gewannen ihm bei vielen seiner Kollegen und Freunde warme Sympa-thien. Auch der Verein für Volkskunde reiht sich aus dem gegebenen Anlaß gerneunter die Gratulanten des bekannten steirischen Jubilars.
Oskar Moser
Bericht über den 25. Deutschen Volkskundekongreß vom 7. bis 11. Oktober 1985in Bremen zum Thema„, Kinderkultur"
Die UNO bescherte uns 1979 das Jahr des Kindes, welchem 1985 das Jahr derJugend gefolgt war. Solche Jahresregentschaften, über ihren Sinn und Zweck magman geteilter Meinung sein, fördern jedenfalls unter anderem auch wissenschaftli-che Themengestaltungen oder regen sie zumindest an. Beiden Lebensbereichen, derKindheit und der Jugend, waren im vergangenen Jahr volkskundliche Veranstaltun-gen gewidmet. Das Institut für Gegenwartsvolkskunde der Österreichischen Akade-mie der Wissenschaften stellte sein 2. Internationales Symposion, welches vom 4. bis8. Juli 1985 in Mattersburg im Burgenland stattfand, unter den Titel„ Gegenwarts-volkskunde und Jugendkultur", und der 25. Deutsche Volkskundekongreẞ, abge-halten vom 7. bis 11. Oktober 1985 in Bremen, stand unter dem Generalthema„ Kin-derkultur“. In logischer Folge müßten demnächst einmal, gemäß der in der Volks-kunde seit langem populären Lebenstreppe, die Bereiche etwa Kultur der Lebens-blüte, Kultur der Midlife- crisis, Kultur des Alters als Forschungsschwerpunkte fol-gen. Warum soll man das kulturelle Spektrum nicht auch einmal vom Lebensalterder Kulturträger her aufrollen und der soziologischen Facette unseres Faches diepsychologische zur Seite stellen. Das Lebensalter hat nun einmal unzweifelhaft mitFormen des Kulturschaffens und des Kulturkonsums eng zu tun. Man denke an dasbanale Beispiel Fernsehen, das von Kindern geliebt, von Erwachsenen verteufeltund von alten Menschen wieder in hohem Maße geschätzt wird.
Während der Themenwahldiskussion für den 25. Deutschen Volkskundekongreẞwiesen Gitta Böth und Siegfried Becker in einem Plädoyer für das letztendlich auchgewählte Tagungsthema Kinderkultur( dgv- Informationen, 1/93, Febr. 1984, S. 7)darauf hin, daß dieses Thema im Rahmen des Kanons zwar schon jeweils am Randebehandelt wurde, als Teilaspekt gewissermaßen, aber daß es wohl wert wäre, eineigenes Tagungsthema abzugeben. Es zeigte sich jedoch, daß es nicht so einfach istmit der Kindheit an sich als volkskundlichem Forschungsfeld und mit der Kinderkul-tur, was immer man sich darunter vorstellen mag, und jeder stellt sich dabei wasanderes vor, wie es schien. Schon die Definitionsfrage blieb der Kongreß schuldig,und an der Dichotomie, ob über für Kinder gemachte oder von Kindern gemachteKultur zu verhandeln sei, schieden sich manche Geister.
Es erhebt sich wieder einmal die Frage, woher Themenbereiche und Forschungs-interessen eigentlich kommen, und warum sie zu einer bestimmten Zeit auftauchen.Diese Frage ist meines Erachtens genauso interessant und möglicherweise auf-schlußreich wie das Thema selbst. Denn was ist der Stand einer Kulturwissenschaftanderes als gewissermaßen eine Widerspiegelung der untersuchten Kultur selbst.Kinder, und mehr noch Jugendliche, stehen zur Zeit im Blickpunkt wirtschaftlichen,sozialen und kulturellen Interesses, daher wohl auch die Aufmerksamkeit durch dieWissenschaft. Oder handelt es sich gerade um das Gegenteil, um das, was KonradKöstlin in seinem Schlußwort den 5- Minuten- vor- 12- Tick der Volkskunde genannt
48