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Chronik der Volkskunde
In memoriam Richard Pittioni
Am 9. April 1986 wäre emer. o. Universitätsprofessor Dr. Richard Pittioni80 Jahre alt geworden. Vor fast genau einem Jahr, am 16. April 1985, hat der bedeu-tende Ur- und Frühgeschichtsforscher und Universitätslehrer für alle unerwartet die-ses Erdenleben verlassen. Der Verein für Volkskunde hat seinem- neben Universi-tätsprofessor Dr. Hanns Koren †- zweiten Ehrenpräsidenten vor Jahresfrist einGedenkblatt gewidmet( Volkskunde in Österreich Jg. 20, Folge 5, Mai 1985, S. 33),in welchem die enge Verbundenheit des hochangesehenen Gelehrten mit der Volks-kunde noch einmal aufgezeigt werden konnte. Nicht allein das stets wache wissen-schaftliche Interesse Pittionis an der Arbeit und an der Leistung der österreichischenVolkskunde war für dieses einzigartige Nahverhältnis bestimmend gewesen, son-dern auch seine eigenen fächerübergreifenden wissenschaftlichen Beiträge, wie siewiederholt in der Österreichischen Zeitschrift für Volkskunde und in volkskund-lichen Sammelwerken veröffentlicht worden sind. Darüber hinaus hat RichardPittioni in einem ganz besonderen Ausmaß immer auch seine Bereitschaft bekundet,an bestehenden und werdenden Facheinrichtungen der Volkskunde persönlich mit-zuwirken. Hier ist an die Präsidentschaft im Verein für Volkskunde nach dem Endedes Zweiten Weltkrieges zu erinnern und an die bis zu seinem Tode ununterbro-chene Tätigkeit im Ausschuß des Vereins für Volkskunde. In gleicher Weise standRichard Pittioni dem Fache wieder zur Verfügung, als es darum ging, unmittelbarnach der Gründung des Instituts für Gegenwartsvolkskunde der ÖsterreichischenAkademie der Wissenschaften die Funktion des Obmannes des Kuratoriums zubesetzen. Zur Volkskunde hatten ihn„ familiäre Bindungen an die deutsche Bevöl-kerung Südmährens in Verbindung mit einer besonderen Vorliebe für die bäuerlicheLebensform" hingeführt, wie Richard Pittioni es selbst formuliert hat. Und seineLeistung auf dem Wissenschaftsgebiet der Volkskunde hat der Vertreter der Prä-historie darin erblickt, die„, Querverbindung zwischen toter und lebender Volksfor-schung mit besonderer Betonung der werkkulturlichen Erscheinungen“ zu schaffen.Über die Würdigungen hinaus, die dem Verstorbenen in seiner Festschrift zum70. Geburtstag im Jahre 1976(= Archaeologia Austriaca, Beiheft 13) und nach sei-nem Tode von verschiedenen Seiten zuteil geworden sind und die im Wissenschafts-geschichtlichen Archiv der Volkskunde des Instituts für Gegenwartsvolkskunde ver-wahrt werden, will der Verein für Volkskunde in dankbarer Gesinnung seinen