Jahrgang 
89 (1986) / N.S. 40
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des Hochadels zum Kult war im 17. Jahrhundert bedeutender, seineTeilnahme an der Kultverbreitung im 18. Jahrhundert hingegenbeträchtlich kleiner. Diese Veränderung hängt mit dem am Anfangdes 18. Jahrhunderts einsetzenden Vorgang zusammen, währendwelchem der ungarische Hochadel sich an die Wiener Aristokratieanzupassen beginnt. Es ist daher zu verstehen, daß seine kultför-dernde Tätigkeit in dieser Zeit sich in erster Linie auf die Über-nahme der Wiener Kultströmungen( familiäre Schutzpatrone,Schutzpatrone der Dynastie) beschränkt und diese nur selten eingrößeres Echo in den breiteren Gesellschaftsschichten findet.

In der Geschichte der barockzeitlichen Heiligenverehrung müs-sen wir dem weltlichen Klerus und besonders dem Ordenskleruseine hervorragende Bedeutung beimessen, weil deren kultför-dernde Tätigkeit ohne Zweifel die größte Wirkung hatte. Um dieVerwirklichung der Maßnahmen des Tridentinums hat sich in ersterLinie der Weltklerus bemüht. Die Wirkung dieser Bestrebungenauf den Heiligenkult kann als bedeutend bezeichnet werden( Augu-stinus, Ambrosius, Hieronymus, Abraham, Dismas, Maria Magda-lena, Allerheiligen). Die Franziskaner betreuten in erster Linie dieunteren Volksschichten und haben den Kult jener Heiligen getra-gen, die diesen Schichten näherstanden( Antonius von Padua,Franz von Assisi, Elisabeth von Ungarn). 17) Als direkte Brückezwischen Dynastie und Volk hat der neue Orden der Jesuiten hin-gegen seine Tätigkeit hauptsächlich im Kreis des Adels und desstädtischen Bürgertums ausgeübt: Neben der Verbreitung des Kul-tes der Ordensheiligen( Ignatius von Loyola, Franz Xaver, Aloy-sius von Gonzaga) waren sie die Ausarbeiter und Verbreiter derRegnum- Marianum- Konzeption und auch Kultträger mehrererneuer Barockheiliger( Stanislaus Kostka). 18) Die anderen Ordenhaben sich meistens um den Kult ihrer eigenen Ordensheiligenbemüht, diese Versuche bewegen sich aber bis auf einige Ausnah-men in dem engen Rahmen des gegebenen Ordens.

Hier müssen wir einiges über eine der typischen Erscheinungender barockzeitlichen Heiligenverehrung sagen, nämlich über denKult der Katakombenheiligen, der sowohl vom Weltklerus als auchvon den verschiedenen Orden getragen wurde.19) Der Kult ist eingutes Beispiel für die Einführung der Verehrung früher unbekann-ter Heiliger und ihrer Reliquien sowie für die äußere Steuerungbzw. Lenkbarkeit der Heiligenverehrung. Die Verehrung der Kata-kombenheiligen scheint auch für die historische Entwicklung an-derer kirchlicher Andachtsformen paradigmatisch zu sein: Durch

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