Jahrgang 
89 (1986) / N.S. 40
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Aristokratie und des Klerus wieder auf.¹¹) Im Kult überlagern sichmehrere historische Schichten, und diese Schichten verändern sichauch während der Barockzeit. Am Beispiel der Nationalheiligenkann man die Verknüpfung des Kultes mit der Geschichte derNation beobachten: Die Heiligen sind mit der Konzeption desRegnum Marianum¹²) verflochten und werden zuerst in das türken-feindliche und gegenreformatorische, dann in das national- dynasti-sche Ideensystem eingebaut. Am Ende des 18. Jahrhunderts meldetsich im Kult verhüllt ein antidynastischer Zug zu Wort als Ausdruckder Auffassung von der Illegitimität der Regierung des HausesÖsterreich in Ungarn. ¹³)

Neben der Unterstützung der Verehrung der ungarischen Natio-nalheiligen hat die Dynastie auch den Kult ihrer eigenen Heiligen( Joseph, Leopold, Marco d'Aviano, Johannes von Nepomuk,Theresia von Avila, Karl Borromäus) im Sinne der Pietas Austriacaund der habsburgischen Staatskonzeption mit großer Aufmerksam-keit gefördert. 14) Ähnlich wie die Herrscherhäuser des Mittelaltershat die Dynastie für sich die religiöse Verehrung beansprucht, inder der Gedanke des apostolischen Königtums und der DomusAustriae miteinander verschmolzen. Dieser Vorgang zeigt sich gutin den gemeinsamen Darstellungen der ungarischen Nationalheili-gen und der Heiligen der Dynastie in der barocken Ikonographie.Im Kult dieser Heiligen spiegelt sich somit außer der herrschaftli-chen Repräsentation sowohl die Idee der staatlichen Interventionin die kirchlichen Angelegenheiten als auch eine religiöse Unter-stützung des höfischen Absolutismus und eine Bekräftigung derZusammengehörigkeit der habsburgischen Länder. Die Vermitt-lerrolle der Kirche im Kult der dynastischen Heiligen hebt anderer-seits hervor, daß die Kirche in der untersuchten Epoche auch alsein ausübendes Organ des aufgeklärten Absolutismus fungierte. 15)Schließlich läßt sich mit Hilfe der Kultformen dieser Heiligen auchziemlich gut nachweisen, wie die Haltung des Herrscherhauseszuerst für die Hofkreise, später für das Bürgertum und zuletzt auchfür die Landbevölkerung als Vorbild wirkte.

Ähnlich wie die Dynastie hat auch die Aristokratie ihre eigenenHeiligen und Kultformen, die in erster Linie die Religiosität desHochadels charakterisieren. Unter diesen Heiligen finden wirsowohl jene, die schon im Mittelalter verehrt worden waren( Hubert, Sigismund, Christina, Mauritius, Achatius, Walpurga),als auch solche, die erst in der Barockzeit bekannt wurden( Peregri-nus, Thekla, Genovefa, Judas Thaddäus). 16) Der aktive Beitrag