Jahrgang 
89 (1986) / N.S. 40
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Das 17./18. Jahrhundert wird von der vorangehenden Epochedurch tiefe ideelle, politische, wirtschaftliche und gesellschaftlicheVeränderungen getrennt, die auch in der Kultgeschichte ein neuesKapitel eröffnen. Die zwei grundlegenden Probleme des 17. Jahr-hunderts waren der Kampf gegen die Türken und die Gegenrefor-mation. Dieser Umstand bekundet sich in der Verehrung mehrererHeiligentypen( Nationalheilige, Jesuitenheilige" wie Ignatius,Katakombenheilige) und determiniert grundlegend die Anfängeder barockzeitlichen Verehrung. Der türkenfeindliche Zugerscheint im Kult um die Mitte des 17. Jahrhunderts, als die Türkenschon seit mehr als einem Jahrhundert etwa ein Drittel des Landesunterworfen hatten und fortgesetzt um das restliche Gebiet desungarischen Königtums kämpften. Der Grund dieses verhältnismä-Big späten Auftretens ist nicht im Kampf gegen die Türken selbst zusuchen, sondern in der verspäteten Herausbildung der Barockkul-tur, in der das Suchen nach heroischen Idealen eine wesentlicheRolle spielt. Anderseits muß man auch in Betracht ziehen, daß dietürkische Macht ihre immer öfter wiederholten Angriffe in derMitte des 17. Jahrhunderts begonnen hatte und die sich zur Wehrsetzenden und manchmal zum Gegenangriff übergehenden Hoch-adeligen einem immer stärkeren Druck ausgesetzt waren. Der Wie-ner Hof hatte diesem Kampf zu dieser Zeit noch nicht seine Hilfezukommen lassen und sogar alle Gegenangriffe streng verboten.Da nun der türkenfeindliche Zug der Heiligenverehrung einenaktiven Kampf, das heißt ein den Bestrebungen des Wiener Hofesgeradezu gegensätzliches Programm bedeutete, hat dieser Zugzugleich auch eine habsburgfeindliche Tendenz innegehabt. Damitwird der auch schon aus anderen Quellen bekannte Prozeß ange-deutet, daß die früher habsburgtreuen ungarischen Hochadeligenauf Grund der unterschiedlichen Beurteilung des Türkenkampfesin Opposition zum Hof gerieten.6)

Fast gleichzeitig mit dem Aufkommen des türkenfeindlichenZuges tritt im Kult der andere entscheidende Faktor dieser Epochein Erscheinung: die Gegenreformation. Die 1670er, 1680er Jahrewaren die aktivste Periode der Gegenreformation in Ungarn, wobeidie katholische Kirche dem Kult der Heiligen eine besondere Rollezugedacht hatte. Der Jesuitenorden, der die Idee der Gegenrefor-mation am konsequentesten vertrat, hat diese Zielsetzungen auchals seine eigenen anerkannt, weshalb die Jesuiten zu den bedeu-tendsten Verbreitern des Kultes der mit neuen Aufgaben versehe-nen alten und neuen Heiligen gehörten. Es ist daher zu verstehen,

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