Methoden ergeben, die Zenker- Starzacher in der Veröffentlichung ihrer KärntnerMärchen eingeführt hatte( Der Sennavogel und andere Kärntner Märchen, Klagen-furt 1975), der aber diesmal wohl auch erhebliche finanzielle Schwierigkeiten imWege standen. Wer die andere Umschrift braucht, kann jederzeit auf die Ausgabe1941 zurückgreifen.
Das vorliegende Buch hat eine vordergründige erzieherische Zielsetzung, die ineiner Zeit, in der sich die alten Gemeinschaftsformen der Reihe nach auflösen, zumTeil noch ohne gleichwertige Alternativen ersetzt zu werden, wobei der Jugend vorallem in der Form von Comics mehr Schund als Wertvolles angeboten wird, auchohne jegliche Nostalgie, besonders zu bejahen ist. Zwischen 1950 und 1960 ist dieserder technischen Entwicklung folgende Zersetzungsprozeß hüben wie drüben vor sichgegangen: die alte Mundart existiert heute- schon oder noch?- in Ungarn wie inÖsterreich mit dem Stigma einer„, Bauernsprache“. Zenker- Starzacher hat es richtigerfaßt: So leid es einem auch tut, muß die Form verwandelt werden, um die innerenWerte des Märchens in die moderne Welt hinüberzuretten. Denn das rein wissen-schaftliche, nicht- pragmatische Interesse steht vor einem traurigen Paradoxon: dieVerfasserin hätte in den späten dreißiger Jahren gern Tonfilmaufnahmen gemacht,um das volkstümliche Erzählen für die Forschung zu erschließen, was ihr damalsnicht vergönnt war; heute verfügen wir leicht über diese Möglichkeiten, aber wo fin-den wir noch die natürlichen Erzähler, um sie aufzunehmen? Gerade von Büchernwie dieses kann mit der Zeit vielleicht auch die Entstehung einer neuen Erzählgene-ration erhofft werden.
Wie alle Veröffentlichungen der Verfasserin enthält auch dieses Buch eine gründ-liche Beschreibung der Gewährsleute, zudem auch derer heimatlicher Umwelt, gutergänzt durch die eigenen Fotos der Verfasserin, aber auch durch die schönen Illu-strationen von Erna Moser- Piffl, die„, damals" als angehende Malerin mit der Verfas-serin gemeinsam die deutschen( genetisch richtiger: österreichischen) Dörfer desUngarischen Mittelgebirges durchwanderte und die alten Trachten für immer fest-hielt.
Der Rezensent muß zum Schluß ein Eingeständnis machen: diesem Buch gegen-über ist er ganz und gar nicht unvoreingenommen. Der Grund dafür liegt darin, daßdas Dorf- Gestitz im Schildgebirge- seine engere Heimat und er selbst Augen- undOhrenzeuge der hier vorliegenden„ Geschichten" war. Aber auch als Zeuge kann ermit gutem Gewissen bestätigen, daß alles, aber auch restlos alles stimmt, was in demSchlußkapitel über„ Die Pallanik- Ahnl und ihre Umwelt“( Vom Märchenerzählenim Volk, S. 97-141) geschrieben steht. Und dieses Kapitel zumindest- ähnlich denAbhandlungen, die die Verfasserin zu ihren anderen Veröffentlichungen hinzufügte- sollte allen angehenden Volkskundlern unserer Zeit als Pflichtlektüre gelten.Claus Jürgen Hutterer
Irene M. Marku( Vontorini),„ Psacho na do mes st'athoro"(„ Ich suche zusehen im Unsichtbaren“). 1. Bd. Athen 1984, 218 Seiten.
In der Einleitung von Michalis Meraklis( S. 7-43) wird die Volksdichterin ausNaxos und ihr Werk vorgestellt: Sie stammt aus Apeiranthos, einem Dorf mit bedeu-tender volksliterarischer Tradition, war Müllerstochter, mit 15 Jahren schonHebamme, kommt später in schwierigen Zeiten nach Athen, verheiratet ihre Kindernachdem die Familienbürde von ihr genommen ist- beginnt sie in vorge-
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