Jahrgang 
90 (1987) / N.S. 41
Einzelbild herunterladen
 

hundertbeginn typische Figuren der Großen Ungarischen Tiefebene. Den ungari-schen Bauern ärgert es noch heute ganz gehörig, wenn ihm jemand aus Spaß denWetzstein mit Fett einschmiert, da dieser nach solcher Behandlung unbrauchbarwird. Im nordöstlichen Ungarn wird noch öfters ein einfacher Kieselstein als Wetz-stein benützt.

Ziehen wir nun zu den Ergebnissen von H. Keim und U. Rautenberg die Feststel-lungen von I. Manninen in Betracht( Die Sachkultur Estlands, Bd. II, S. 120-124),die Abhandlung von E. Gamillscheg( Wetzstein und Kumpf im Galloromanischen,Berlin 1925) und noch andere Arbeiten, so können wir nicht umhin, im Sinne deseingangs zitierten Spruches daran zu denken, daß es wohl lohnend wäre, über diesesanscheinend einfache Thema eine europäische Monographie zu schreiben.

Béla Gunda

Linda Dumpe, Lopkopība Latvijā 19. gs.- 20. gs. sākumā( Die Viehzuchtin Lettland im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts). Riga, Geschichtsinstitutder Lettischen Akademie der Wissenschaften und Zinātne, 1985, 279 Seiten.Die Besprechung dieses hochbedeutenden Buches, da in lettischer Spracheerschienen, ist mir nur an Hand der ausführlichen deutschsprachigen Zusammenfas-sung möglich.

Die Autorin befaßt sich eingehend mit der Züchtung und Fütterung der verschie-denen Haustiere, mit der Wiesenwirtschaft, der Einstallung, den Geräten der Vieh-zucht, den Möglichkeiten der Weiterzüchtung, den Beziehungen zwischen Ackerbauund Viehhaltung. Die lettische Viehzucht wird- neben ethnischen und historischenFaktoren weitgehend von klimatischen sowie von Boden- und Eigentumsverhält-nissen beeinflußt. Dem Charakter nach entspricht die Viehhaltung der lettischenBauernschaft den nördlichen Regionen Osteuropas. Wir können hier drei typo-logische Hauptareale unterscheiden, die sich mit der Verbreitung anderer Kul-turerscheinungen überdecken und die lettische Viehzucht in Richtung West- Ost auf-gliedern. In Lettland, wie im Baltikum ganz allgemein, war die Viehzucht schongegen Ende des 3. Jh. v. Chr. bekannt, nämlich in der Schnurkeramikkultur, derenTräger indoeuropäische protobaltische Stämme waren. Ein charakteristisches Merk-mal der Viehwirtschaft ist darin zu sehen, daß infolge des feuchten Klimas und derWaldwiesen die Rinder- und Schweinezucht in den Vordergrund trat. Mit den Wald-wiesen erklärt sich der erhebliche Anteil tönender Instrumente( Hörner, Viehglok-ken) an den Hirtengeräten. In der Schafzucht- schreibt L. Dumpe- konzentrierteman sich, den klimatischen Verhältnissen entsprechend, hauptsächlich auf die Woll-und Pelzschafzucht. Klimatisch bedingt war auch die Art der Milchverarbeitung.Ihre Grundlage waren die natürliche Säuerung der Milch und das Abstehenlassenvon Sahne zur Herstellung von Butter, des einzigen Milchproduktes, das vorrats-weise aufbewahrt werden konnte. Relativ frühzeitig widmeten die Letten große Auf-merksamkeit dem Stalldünger, der auf den Ackerfeldern angehäuft wurde. Auf demGebiet der Viehzucht übte im nördlichen Baltikum die finno- ugrische Substratumbe-völkerung einen beachtlichen Einfluß aus. Um die Mitte des 1. Jahrtausends wurdendie baltisch- slawischen Kontakte aufgenommen, die auch in der ostlettischen Vieh-haltung ihre Spuren hinterließen. Im Westen war der Stallbau vom Wohnhausgetrennt, im Osten in Verbindung mit ihm, das Milchgeschirr war im Westen ausHolz, im Osten aus Ton hergestellt, der Futtertransport findet im Osten in den

358