Jahrgang 
90 (1987) / N.S. 41
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I. Pairidis, Palaioi mastoroi kai anthropoi( Alte Meister und Menschen).Athen, Païridis, 1986, 105 Seiten.

Dieses Büchlein ist der literarischen Deskription von vier Handwerkermeisternder Zwischenkriegszeit, griechischen Flüchtlingen aus Kleinasien, gewidmet, wie sieder Autor in Piräus, selbst Handwerker und Meister" in verschiedenen Berufen,erlebt hat. Der stark persönlich getönte Erzählstil, durchaus abweichend von denüblichen idyllisch- realistischen Novellen der Ethnographie"( griechischer sitten-schildernder Provinzrealismus nach 1880), in seiner wechselhaften Rhythmik undder mündlichen Narrationsstruktur auch starke poetische Qualitäten aufweisend,läßt thematisch und sprachlich eine Welt wiedererstehen, die wesentlich der Vergan-genheit angehört: Berufsethos, Lebensweise, Weltanschauung, Persönlichkeit undSchicksale von durchwegs unterbeschäftigten Handwerkermeistern, die in ihrerArbeit Erfüllung und Lebensstil finden, in der Perfektion ihrer Leistungen Ideal-identifikation, die sie ethisch weit über ihre Mitmenschen hinaushebt in der Weltproletarischer und subproletarischer Unsicherheit, des Hungers und des Werte-zerfalls. Es ist Symeon- Aga, der Marmorbehauer( S. 9-31), mit seinen ungewöhnli-chen pädagogischen Fähigkeiten beim Anlernen ganz junger Lehrlinge, Meister-Savvas, der Baumeister( S. 33-55), in seiner Ehrlichkeit und Offenheit, denwochenendlichen Trinkritualen, der seinen Namen auf keinem Gebäude hinterlas-sen hat( und von solchen Meistern sind die großen Bauwerke der byzantinischenZeit, der balkanischen Haus- und Brückenkunst ausgeführt), dem es genügt, daß erdies wisse und die Steine; der Meister- Triantafyllos, der Anstreicher und Ornamen-tenmaler( S. 57-82), der wortkarg und kontaktfeindlich mit über 80 Jahren noch aufder Leiter steht und mit freier Hand gerade Pinselstriche zieht, und Michael- Usta,der Brunnengräber( S. 83–105), der noch mit 90 Jahren 25 m unter der Erde gräbt,um Wasser zu finden, erdhaft und immer vom Wasser träumend, bescheiden undgottgläubig. Diese Figuren sind Exponenten einer anderen Welt, vieldimensionalvorgestellt, glaubhaft und lebendig, zusammen mit den Reflexionen des Autors, derselbst dieser Generation und Mentalität angehört. Die Sprache ist wesentlich erzäh-lend, also oral, voll von Redewendungen und Fachausdrücken, Werkzeugterminiund Handgriffen, mit den Aussprüchen der wortkargen Meister, ihrem Ethos undihrer Philosophie ein Stück( bereits historischer) Realität, verwesentlicht, ver-lebendigt, ein hochinteressantes Dokument der Volkskunde arbeitender Unter-schichten im Athen der Zwischenkriegszeit. Dazu noch ein Stück Literatur, das nochalle Qualitäten der Oralität zeigt.

Walter Puchner

Leitfaden zur Keramikbeschreibung. In: Hermann Dannheimer( Hg.),Kataloge der Prähistorischen Staatssammlung, Beiheft 2. München- Kallmünz,Verlag Michael Lassleben, 1987, 197 Seiten.

Die Voraussetzung für eine sinnvolle Vergleichbarkeit von Objektbeschreibungenliegt in der überregionalen Gültigkeit von Dokumentationsformen. Das Erstelleneiner Beschreibung sollte nach einem Leitfaden erlernt werden können, das Resultatgrößtmögliche Eindeutigkeit besitzen und im Hinblick auf eine zukünftige Inventari-sierung und Bestandauswertung per EDV wegbereitend sein.

Nach langjährigen Vorarbeiten ist mit dem Erscheinen des Leitfadens zur Kera-mikbeschreibung der Wunsch nach einer standardisierten Anleitung zur Keramik-

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