Der Sammelband enthält ausgewählte Aufsätze von Helmut Paul Fielhauer auszwei Jahrzehnten( 1964–1984) und dokumentiert somit den wissenschaftlichen Wer-degang des Autors unter dem Blickpunkt sich wandelnder Problemstellungen undSichtweisen, die einesteils in der internationalen Entwicklung des Faches Volks-kunde insgesamt begründet liegen, anderseits aber auch sehr wesentlich in der Per-son Fielhauers selbst. In der den Aufsätzen vorangestellten, für einen journalisti-schen Zweck 1980 verfaßten Selbstdarstellung spricht Fielhauer denn auch von„, derSchwierigkeit, ein Volkskundler zu sein“, und meint damit auch die Diskrepanz zwi-schen der Erwartungshaltung der Gesellschaft, die im Volkskundler den Lieferantenfür die reine Lehre echten Volkstums sehen möchte, und dem Selbstverständnis alskritischer Kulturwissenschaftler, der mit seinen Forschungen immer auch sozialesund politisches Engagement verband, der stets in Sorge war, sich in Beschäftigungmit der Wissenschaft vom Volk" nicht zu weit von diesem zu entfernen, und alsdemokratischer Kulturgeschichtsschreiber, als der er sich zeitlebens verstand.
Die für den Band ausgewählten 18 Aufsätze umfassen das weite Spektrum Fiel-hauerscher Forschungsarbeit, sowohl von der Thematik her als auch in der methodi-schen Entwicklung. Waren die frühen Arbeiten noch wesentlich geprägt vom LehrerRichard Wolfram, so wandte sich Fielhauer später unter dem Eindruck der Diskus-sionen in der BRD über Fachbezeichnung,-inhalt und-aufgabe vermehrt methodo-logischen Fragen zu, ohne jedoch den Boden der Sachdiskussion je ganz zu verlas-sen. Seine wissenschaftlichen Interessensgebiete spannten sich von der Brauchfor-schung, der Volksmedizin, über Regionalstudien, vornehmlich der Industrialisie-rung im ländlichen Raum gewidmet, aber auch der sogenannten Stadtvolkskunde,den Minderheitenstudien, den Forschungen zur Fachgeschichte, bis hin zu regiona-ler Museumsarbeit, die ihm besonders am Herzen lag. In all diesen Themenberei-chen fühlte sich Fielhauer einer Geschichtsbetrachtung von unten verpflichtet, diesich durch all seine Arbeiten, selbst die frühen, wenn auch dort oft nicht so deutlichspürbar, zieht.
Den Herausgebern ist für diesen Sammelband zu danken, der, wie im Geleitwortvermerkt, den kommenden Studentengenerationen und darüber hinaus allen, diesich für österreichische Volkskunde interessieren, einen Einblick in Fielhauers Sichtdes Faches vermittelt und somit ein Stück österreichischer volkskundlicher For-schungsgeschichte verkörpert. Es ist zu hoffen, daß die noch fehlende Gesamtbiblio-graphie der wissenschaftlichen Arbeiten, die auf Grund der an vielen und oft ver-steckten Stellen publizierten Schriften und seiner zahlreichen Arbeiten für denÖsterreichischen Rundfunk nicht so rasch möglichst lückenlos zu erstellen war, die-sem Band bald nachfolgen möge, um das Bild des Wissenschaftlers Helmut Paul Fiel-hauer zu vervollständigen.
Margot Schindler
Minas Al. Alexiadis, To ergo tu R. M. Dawkins. Vivliografiki Symvoli.( DasWerk von R. M. Dawkins. Bibliographischer Beitrag.) Separatum aus: DeltioKentru Mikrasiatikon Spudon V( 1984/85). 1 Abb.
Als 1955 der englische Archäologe, Historiker, Linguist, Byzantinist, Neogräzistund Volkskundler Richard M. Dawkins verstarb, kannte man ihn hauptsächlich alsMärchenforscher( Forty- five stories from Dodekanese. 1950. Modern Greek
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