schwieriges bibliographisches Unterfangen zu einem gelungenen Ende zu bringen;sein Verf. darf sich noch nicht zu den Kennern der Materie zählen: mit diesemAnfängerwerk, das nicht einmal die Problematiken einer solchen Bibliographieaugenfällig macht, wurde der Fachwelt kein wesentlicher Dienst geleistet.
Walter Puchner
M. G. Meraklis, O synchronos ellinikos laikos politismos( Rezente grie-chische Volkskultur). 2. Aufl. Athen, Ora, 1983, 126 Seiten.
Das nun nach 10 Jahren in zweiter unveränderter Auflage erschienene Büchleinzur rezenten Volkskultur Griechenlands fungierte seinerzeit, vor A. Kyriakidu-Nestoros ,, Theorie der griechischen Volkskunde"( Athen 1978), als Buch, das frei-lich in seiner hauptsächlich ideologiekritischen Ausrichtung den allgemeinenAnspruch seines Titels nicht einlösen konnte, als eine Art theoretischer Einführungin die griechische Volkskunde in dem Sinne, als Tradition, Wandel und Neuentste-hung gleichwertig nebeneinander behandelt werden. Hervorgegangen aus einerReihe von Vorträgen und strukturiert nach landschaftlichen Gesichtspunkten ist dieskeineswegs selbstverständlich, sondern entspringt dem vorwiegend soziologischorientierten Problembewußtsein des Verf. Zur Gegenwartsvolkskunde hatte bisdahin bloß das Buch von Demetrius Lukatos vorgelegen. Meraklis ist allerdings dererste, der systematisch Zeitungsartikel als volkskundliche Quellen auswertet.
Die Übersicht über verschiedene Forschungsrichtungen( traditionell, TübingerSchule, amerikanische cultural anthropology, französischer Strukturalismus), die imProlog( S. 9-15) gegeben wird, hat an sich nichts von ihrem einführenden Wert ein-gebüẞt. Es folgt eine Bestandsaufnahme der rezenten Volkskultur nach Landschaf-ten: Kreta( S. 17 ff.), Ägäis( S. 35 ff.), Thrakien- Makedonien( S. 49 ff.), Epirus( S. 65 ff.), Jonische Inseln( S. 79 ff.), Peloponnes( S. 97 ff.), Festgriechenland( S. 111 ff.) und Thessalien( S. 119 ff.). Für jede Landschaft werden andere phäno-typische Merkmale herausgearbeitet, wobei Geschichte, Humangeographie, Bevöl-kerungsstatistik, demographische Bewegungen, soziale Institutionen, Jahreszyklus,Lebenszyklus, Verbalmanifestationen usw. herangezogen werden. Die ,, Offenheit"auf dem Quellensektor, die auch die neue dreibändige Einführung in die griechischeVolkskunde des Verf. auszeichnet, ist hier schon vorgegeben; die akademischenSchranken der Quellenselektion sind gefallen. Der Verf. wertet praktisch alles aus:vom Journalistenbericht und der Industriestatistik bis zum wissenschaftlichen Feld-forschungsreport der Professionalisten und der erzählten Autobiographie.
Im Kreta- Kapitel wird anhand der traditionellen Töpferei, der Hochzeitsbräuche,der traditionellen Heiligenfeste( Pangyris) im Zuge ihrer Kommerzialisierung bis hinzu modernen Autofahr- Geschicklichkeitswettbewerben, der rizitika- Lieder und der„ G'stanzin"( mantinades), letztlich der Entwicklung der kretischen Städte, dasNebeneinander von Neu und Alt analysiert. Nicht alles, was als typisch„ kretisch“gilt, hat autochthonen Ursprung: die„ lyra" kommt aus dem Arabischen, dieberühmte Pluderhose( vraka) der Kreter stammt von den algerischen Piraten; die indie orale Tradition eingegangenen Werke der kretischen Renaissanceliteratur habenoft ihre Vorbilder in Italien. Jedem dieser Landschaftskapitel folgen mehr oder weni-ger ausführliche Anmerkungen.
Im Ägäis- Kapitel wird die historische und geographische Isolation hervorgeho-ben, durchbrochen nur von Kreuzritterheeren, Türkenüberfällen und Piraten, und
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