Jahrgang 
90 (1987) / N.S. 41
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Es stellt sich die Frage, ob es nicht notwendig wäre, eine umfassende Datensamm-lung zum Thema, Wissenschaftsgeschichte der Volkskunde" herauszugeben, dennso anerkennenswert es ist, die gegenwärtigen Verhältnisse darzustellen, so erforder-lich erscheint es auch, endlich die Geschichte des Faches in breitem Rahmen aufzu-arbeiten. Aber gerade in diesem Sinne betrachten die Herausgeber die vorliegendePublikation als eine Vorleistung zu einem bio- bibliographischen Lexikon derVolkskunde des deutschsprachigen Raumes in Geschichte und Gegenwart".

Da mit diesem ersten Band bewiesen wurde, daß man mit einer immensen Daten-fülle umzugehen weiß, sollte man möglicherweise zukünftig die Hilfeleistungen dermodernen Datenverarbeitung verwenden, um den Zugang zum Stoff, die Aufschlüs-selung der Materie zu erleichtern( eine stetige Revision und Aktualisierung desDatenmaterials scheint sowieso unabdingbar zu sein). Die ausschließlich alphabeti-sche Systematik sowie die Darstellungskriterien sind meines Erachtens zu personen-konzentriert( braucht es wirklich akademische Titel, Erlangung akademischerGrade, Auszeichnungen und Preise?). Es wäre angebrachter, die Bio- Bibliographienicht in den Mittelpunkt zu stellen, sondern sich zusätzlich auf Forschungsthemenund Institutionen zu konzentrieren. Beispielhaft könnte hierfür das vom französi-schen Kultusministerium herausgebrachte Répertoire de l'Ethnologie de la France1986-1987" sein, das einen Zugriff nach Forschern, Forschungsschwerpunkten,Regionen, Institutionen und Organisationen bietet. Einen ersten Ansatz hierzuweist jedoch das bio- bibliographische Nachschlagewerk bereits auf, denn in einemAnhang wird wenn auch in nur knapper Form- ein Institutionen- und Personen-spiegel nach Bundesländern präsentiert. Eine Mischung aus der französischen undder österreichischen Ausgabe entspräche wohl dem Idealtypus. In jedem Falle sollteaber im Sinne einer praktikablen Handhabung auf klar systematisierte Indices geach-tet werden, um den thematischen Zugang zu vereinfachen. Erstrebenswert ist einleicht zu aktualisierendes kulturwissenschaftliches Gesamtverzeichnis, das dem Wis-senschaftshistoriker wie dem Studenten, dem Kulturpolitiker wie dem Fachkollegenvon Nutzen ist.

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Der Band über die österreichische Volkskunde ist hierzu eine bemerkenswerteVorleistung mehr als das: im Sinne eines Pilotprojektes eine beachtens- und nach-ahmenswerte Form der aktuellen Wissenschaftsgeschichtsschreibung.

Martin Roth

Hildegard Mannheims, Klaus Roth, Nachlaßverzeichnisse. InternationaleBibliographie./Probate Inventories. International Bibliography(= Beiträge zurVolkskultur in Nordwestdeutschland, H. 39). Münster, Coppenrath, 1984,142 Seiten.

Obwohl bereits vor fast hundert Jahren die erste Bibliographie über Nachlaẞver-zeichnisse( Fernand De Mely, Edmund Bishop: Bibliographie générale des inventai-res imprimés. Paris 1892 und 1895, 2 Bände) erschienen ist, kann vor der Mitte unse-res Jahrhunderts von einer systematischen, wissenschaftlichen Auswertung dieserarchivalischen Quelle nur in Ausnahmefällen gesprochen werden, da hauptsächlichnur adelige sowie klerikale Haushalte Berücksichtigung gefunden haben. Dochgeben die aus den verschiedensten rechtlichen Anlässen angefertigten Inventareüber exakt datierte, lokalisierte und sozial einzuordnende Wohnstätten vom

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