Jahrgang 
90 (1987) / N.S. 41
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Chronik der Volkskunde

Tagung der Internationalen Gesellschaft für Rechtliche Volkskunde

in Neresheim/ BRD( 9./10. Mai 1987)

Im vergangenen Jahr erfolgte in Salzburg die Gründung einer InternationalenGesellschaft für Rechtliche Volkskunde( ÖZV XL/ 89, 251). Sie darf als Tochter derziemlich genau vor 25 Jahren gegründeten Abteilung für Rechtliche Volkskundeinnerhalb der Schweizer Gesellschaft für Volkskunde gelten, die besonders durchjährlich eine Arbeitstagung auch außerhalb der Schweiz hervorgetreten ist. DieseÜbung ist beibehalten worden. Die Wahl fiel diesmal auf die in Ostwürttemberggelegene Benediktinerabtei Neresheim, wo alle Teilnehmer- rund 50 aus fünf euro-päischen Ländern- im dortigen Gästehaus gut untergebracht werden konnten, wasder persönlichen Begegnung und dem Gedankenaustausch äußerst förderlich war.

Abt Norbert Stoffels OSB benützte sein Grußwort dazu, eine Geschichte des 1095gegründeten Klosters zu skizzieren, welches zwar heute etwas am Rande der großenVerkehrsströme liegt, an dem aber die europäische Geschichte ihre prägenden Spu-ren hinterlassen hat und das zu den bedeutendsten Zeugnissen des süddeutschenBarocks zählt. Der anschließende Vormittag bot zwei Referate zu unterschiedlichenThemen.

Margariet Becker- Moelands, die Direktorin des Nederlands Centrum voorRechtshistorische Documentatie, Amsterdam, berichtete über die dort im Aufbaubefindliche ikonographische Sammlung sowie die Schwierigkeiten bei der Katalogi-sierung mittels moderner Datenverarbeitung.

Über den Juristenpatron Ivo( Helori) ist in jüngster Zeit wiederholt gehandeltworden, besonders auch von Karl Heinz Burmeister( Der Hl. Ivo und seine Ver-ehrung an den deutschen Rechtsfakultäten, ZRGA 92, 60 ff.). Gerade in Österreichlassen sich zahlreiche Zeugnisse der Verehrung des advocatus pauperum nachwei-sen. So zeigt das sogenannte päpstliche Szepter der Salzburger Universität( um 1656)auch den Patron der dortigen Juristenfakultät mit einer Waage( Peter Putzer inMGSL 125, S. 766, mit Abb.), in Wien ist eine Ivokapelle nachweisbar, und an derUniversität Innsbruck ist der Ivotag( 19. Mai) noch 1756 in der Feiertagsregelungenthalten. Gerade die Tiroler Überlieferungen hatte Univ.- Prof. Dr. Rainer Sprung( Innsbruck) zum Inhalt seines Referats über Die Verehrung des RechtspatronsHl. Ivo an der Universität Innsbruck" gemacht und dabei weitere bisher unbekannteEinzelheiten des Ivokultes aufzeigen können, darunter auch eine bislang nicht publi-zierte Bildtafel.

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