Jahrgang 
90 (1987) / N.S. 41
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Nacherzählungen) unbeeinflußte ,, Volksüberlieferung. Dennoch fällt es mir schwerzu glauben, daß es sich bei K. Deschmann nur um una mistificatione tardo- roman-tica", zu deutsch um ein Absichtlich- Erfundenes" ohne volkstümlich doch nichtausschließbaren Motiven- Untergrund, handeln könne. Daß solche Motive( zugege-ben nur als Bausteine für eine romantisierende Dichtung) als Wandergut der Hir-tenkultur( wie in anderen Bereichen von wenig begangenen Hochgebirgsregionen)auch im Triglav- Umland zumindest rudimentär gelebt haben können, läßt sichmeines Erachtens nicht durch ein argumentum ex silentio, also weil es seit der Baum-bach- Dichtung nie im Volke aufgezeichnet" werden hatte können, ablehnen. Dasaber ist für M. Matičetov so sehr, wie ich glaube zu sehr, entscheidend, daß ein vor-handenes Sagenmotiv nicht in hundert Jahren vergessen werden könne. Vgl. sei-nen Sonderaufsatz: M. Matičetov, Zlatorog( Glasnik, Bulletin of slovene ethnologi-cal society XXVI, Ljubljana 1986, Nr. 3-4, S. 130-133). Hier steht eine Hypothese,, unbeweisbar gegen die andere. Man möchte warnend daran erinnern, durch wieviele Generationen, nicht nur Jahre, die Kroaten vergeblich nach einer Varianteihrer ,, Asanaginica( Hasanaginica), jenes morlackischen Liedes gesucht hatten,das Alberto Fortis( 1741-1803) zuerst kroatisch in seinem Viaggio in Dalmatia"( Venedig 1774), auch ins Italienische übersetzt veröffentlicht hatte, ehe es A. Cl.Werthes( 1748-1817) ins Deutsche übertragen und der junge J. W. Goethe( ohneNamensnennung) als den so tief durch die Übersetzung durchempfundenen Klag-gesang der edlen Frauen des Asan Aga" in den Volksliedern" von J. G. Herder zuLeipzig 1778/79 wirklich in die Weltliteratur eingebracht hat.

Leopold Kretzenbacher

Ana María Ribeiro Sousa, Lendas de Feitiçaria. Belo Horizonte o. J.( zirka1985/86), 95 Seiten.

Zaubersagen könnte man obigen Titel in etwa übersetzen. Es handelt sich umein kurioses Büchlein, auf grobes Papier mit einer groben Presse( Handpresse?)gedruckt und als durchschossenes Exemplar so behelfsmäßig gebunden, daß einembeim Aufschlagen einzelne Blätter herausfallen.

Doch das Büchlein hat es in sich. Denn die Sagen spielen alle in der modernenUmwelt und handeln zum Beispiel von Menschen, bei deren Eintritt in einen Raumsich der Fernseher von selbst ein- oder ausschaltet, von anderen, die eine FlascheSchnaps auf dem Tisch einer Bar telekinetisch zu bewegen verstehen, von Toten, diesich im Sarg bei der Beerdigung aufsetzen und die Trauergäste anstarren, woraufdenen die Kleider wie Fetzen vom Körper fallen, so daß sie nackt dastehen.

Derlei ist so vorgetragen, als handle es sich um reale Vorkommnisse aus unserenTagen, und man gewinnt den Eindruck, daß die Autorin alles für bare Münze nimmt.Zwischen den erzählenden oder berichtenden Texten stehen teils Erklärungen, teilsGebrauchsanweisungen, wie man ähnliche Wirkungen erzielen könnte. Wichtigscheint der Ribeiro Sousa dabei, daß alles spontan erfolgt: Man darf nicht planenund nicht wollen. Alle Zauberei muß sich aus dem Geist" heraus automatisch bil-den. Man muß sich nur dem Geist" öffnen, dann geht alles von selber.

Die Broschüre ist eine Art modernen Volksbuches. Ein Kochbuch der Magieoder der Parapsychologie für den kleinen( farbigen) Mann. Nach Angabe der

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