Literatur der Volkskunde
Erich Prokosch, Karl Teply( Hgg.), Im Reich des goldenen Apfels. Des türki-schen Weltenbummlers Evliyâ Çelebi denkwürdige Reise in das Giaurenland undin die Stadt und Festung Wien anno 1665. Übersetzt und erläutert von RichardF. Kreutel( Osmanische Geschichtsschreiber, N.F. Bd. 2). Graz- Wien- Köln,Styria, 1987, 332 Seiten, 28 Abbildungen.
Als zweiter Band der neuen Folge der von Richard F. Kreutel( †) herausgegebe-nen Reihe ,, Osmanische Geschichtsschreiber“ ist nach R. Kreutel, K. Teply( Hgg.),,, Kara Mustafa vor Wien. 1683 aus der Sicht türkischer Quellen“ vorliegende Reise-beschreibung Çelebis wieder neu aufgelegt worden. Joseph von Hammer- Purgstall( 1774-1856) gebührt das Verdienst der Entdeckung der Schriften Çelebis und auchder ersten Übersetzung in eine europäische Sprache, wobei jedoch die Beschreibungdes Wien- Aufenthaltes erst Jahrzehnte später vom ungarischen Turkologen ImreKarácson( 1863-1911) aufgefunden wurde. Das Werk Çelebis, sein„, Fahrtenbuch“,umfaßt Aufzeichnungen über seine Reisen, die ihn nicht nur durch Europa, sondernauch durch Asien und bis nach Afrika führten und in zehn Bänden niedergelegt sind.
Vorliegende Publikation ist die Neuauflage einer lange vergriffenen Ausgabe, dievon Richard F. Kreutel( 1916-1981), dem Begründer der Reihe„ OsmanischeGeschichtsschreiber“, 1957 übersetzt und bearbeitet worden war. Die Neuauflagehat sich nun bemüht, verschiedene Korrekturen durchzuführen sowie den Anmer-kungsapparat zu ergänzen und zu erweitern. Vorausgeschickt werden als Einleitungdrei erklärende Kapitel, die sich mit dem Autor Evliya Çelebi und seiner Biographiebefassen sowie weiters mit der historischen Situation, in der sein Besuch der Kaiser-stadt Wien stattfand, also dem Auftreten einer osmanischen Botschaft am HofLeopold I. und dem Kampf um Wien aus der Sicht osmanischer Volksglaubenstradi-tionen. Ein ausführlicher Anmerkungsapparat und ein Register runden diesen Bandab, der nicht nur eine amüsante Lektüre darstellt, sondern dem Historiker und demVolkskundler die Möglichkeit bietet, sich ein Bild zu machen, wie ein gebildeterTürke des 17. Jahrhunderts die Stadt Wien, ihre Bewohner und Einrichtungen, ihrkulturelles und materielles Leben betrachtet und kommentiert hat.
Eva Kausel
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