von Gewerben in bestimmten Regionen, die Häufigkeit und räumliche Verteilungeinzelner Sparten u. a. Dieses Referat war vor allem deshalb von besonderem Inter-esse, weil es eine bisher unveröffentlichte Quelle zur Landeskunde vorstellte, welcheauch für volkskundliche Untersuchungen von großem Wert wäre.
Andrea Komlosy beschäftigte sich mit der„ Geschichte der Waldviertler Textil-industrie als Fallbeispiel abhängiger Industrialisierung". Komlosy legte ihrer regio-nalhistorischen Untersuchung das theoretische Zentrum- Peripherie- Modellzugrunde, welches besagt, daß die Wirtschafts- und Gesellschaftsstrukturen der Peri-pherien einseitig nach den Bedürfnissen der industriellen Entwicklung der politi-schen und wirtschaftlichen Zentren ausgerichtet wurden. An einem solchen, histo-risch bedingten, interregionalen Entwicklungsgefälle leide auch das Waldviertel.Komlosys Untersuchungsrahmen umfaßte den Zeitraum von den Anfängen der tex-tilen Verlagsindustrie im frühen 18. Jahrhundert bis hin zur Ausbildung der typi-schen Waldviertler Industriekultur mit ihrer einseitigen Ausrichtung auf den Textil-sektor am Ende der österreichisch- ungarischen Monarchie, und sie unterschieddabei drei Entwicklungsphasen, in denen die Beziehungen zwischen dem Waldvier-tel und den wirtschaftlichen Zentralräumen ihren Charakter geändert haben. Dieheutige Situation sei geprägt durch die allgemeinen wirtschaftlichen Krisenerschei-nungen in der Textilindustrie, auf die die ehemaligen Standortvorteile( hauptsäch-lich das niedrige Lohnniveau) keinen Einfluß mehr hätten. Die einseitige Aus-richtung der textilindustriellen Monostruktur bedeute einen zusätzlichen Risiko-faktor.
Der Bierproduktion, welcher im Waldviertel mit der größten Dichte an Herr-schaftsbrauereien im Niederösterreich des 17. Jahrhunderts eine wesentliche Bedeu-tung zukam, widmete sich Herbert Knittler in seinem Referat ,, Dominium und Brau-haus. Herrschaftliche Bierbrauereien als vorindustrielles Gewerbe". Die Zahl derBrauereien in Niederösterreich im Vergleich mit der Situation um 1850 ist von 143auf 10 zurückgegangen. Drei davon befinden sich im Waldviertel, in Schrems,Weitra und Zwettl. Den Herrschaftsbrauereien des Waldviertels, die sich um 1600trotz heftigen Widerstands der Bürger etablieren konnten, war eine bäuerliche Pro-duktion vorausgegangen sowie eine bürgerliche, die bis ins frühe 14. Jahrhundertdatiert werden kann. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts werden in Weitra 17 Braumei-ster genannt. Ein 1692 errichtetes Meisterbuch umreißt den Zunftbezirk mit 33 Brau-stätten in 17 Orten. Auf Grund von mangelnder Rentabilität, der Aufhebung desMeilenrechts und des Getränkezwangs und starker interlokaler Konkurrenz ging dieZahl der kleinen Braubetriebe in der zweiten Hälfte des 18. und im frühen 19. Jahr-hundert stark zurück. Von der Blüte der heute noch rege produzierenden WeitraerBrauerei konnten sich die Tagungsteilnehmer am letzten Tag in Form einer Führungdurch den Braubetrieb selbst an Ort und Stelle überzeugen.
Nach den historischen Überblicken und Einführungen in die speziellen Waldviert-ler Wirtschaftszweige brachten die beiden letzten Vorträge den Bezug zur industriel-len Situation der Gegenwart. Klaus Arnold zeichnete das Bild der„ Industrie-entwicklung und Regionalpolitik im Waldviertel nach dem Zweiten Weltkrieg". Siewar im wesentlichen geprägt durch eine beachtliche Wachstumsentwicklung zwi-schen 1955 und 1970, die einerseits durch die Baukonjunktur der Nachkriegszeit( Stein, Holz, Glas) hervorgerufen wurde, anderseits durch Industrieauslagerungenaus dem Ballungsraum Wien. Durch exogene Förderpolitik in Form von Schaffung
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