Jahrgang 
90 (1987) / N.S. 41
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Horn( 1674) und die Errichtung einer Barchent-, Cotton- und Leinwandfabrik mit200 Arbeiterhäusern in Großsiegharts( 1725). Andere typische Waldviertler Indu-striezweige waren die Holzverarbeitung, Sägewerke, Kohlenbrenner, Torfstecher,Mahl- und Krappmühlen, Ölstampfen und Glasschleifereien. Die Entwicklung im20. Jahrhundert skizzierte Otruba an Hand von Industriestandortkarten und durchdie Interpretation der wichtigsten Ergebnisse der Volkszählungen. Im 20. Jahrhun-dert setzt sich der bereits in den vorigen Jahrhunderten vorgegebene industrielleKonzentrationsprozeß auf das nordwestliche Waldviertel fort. Die Stein- und Holz-industrien mittlerer Größe können sich im wesentlichen behaupten, während diekleinen Betriebe verschwinden. Die Großbetriebe der Textil- und Glasindustrieunterliegen stark den Schwankungen der Weltkonjunktur. In der Folge kam es zurVerminderung der Zahl der Betriebe und in den verbliebenen auf Grund von Ratio-nalisierungsmaßnahmen zum Sinken der Beschäftigtenzahlen. Die Folge davon sindArbeitslosigkeit und Bevölkerungsabwanderung.

Wolfgang Katzenschlager beschäftigte sich in seinem Referat mit Gewerbe undIndustrie in der Stadt Weitra", welche durch den Typus des Ackerbürgers geprägtwurde, der sowohl ein Gewerbe als auch eine Landwirtschaft betrieb. Katzenschla-ger geht allen faßbaren in und um die Stadt vertretenen Gewerben nach und stelltdurch die Jahrhunderte eine reiche Differenzierung von Handwerken fest, die diewirtschaftliche Prosperität der Stadt mehr oder weniger durchgehend garantierten.Die allgemeinen Strukturumwandlungen nach dem Zweiten Weltkrieg prägten auchdas Bild der Stadt Weitra, in der alteingesessene Wirtschaftszweige verschwanden( Seifensieder, Gerber, Schmiede, Drechsler...) und gänzlich neue Betriebe ent-standen( Kunstgewerbe, Elektroindustrie, Textilfabrik).

Einen besonders interessanten Beitrag stellte der Bericht von Albert Hackl überDie Textilfabrik zu Brühl bei Weitra dar. Auf einem etwa seit 1550 faẞbarenGelände, auf welchem sich einmal ein Eisenhammer, und von 1695 bis 1843 einePapiermühle befunden hatte, errichtete 1864 Heinrich Hackl eine Textilfabrik, wel-che zur Zeit ihrer Blüte rund 300 Arbeiter in der Fabrik und 300 weitere Heimweberin der näheren und weiteren Umgebung beschäftigte. Die Firma verfügte über Nie-derlassungen in Wien, Prag und Brünn, über Filialbetriebe in Hoheneich, Gmünd,Kirchberg und Schrems, über Agenturen in Pest, Triest und Czernowitz und überGeschäftsverbindungen in ganz Europa und dem Vorderen Orient Glossar ::: zum Glossareintrag  Orient. Die Produktionvon allen Arten von Modewaren, Möbel- und Dekorstoffen, Vorhängen, Teppichenund Kammgarnen erfolgte weitgehend unabhängig, ausgehend von vorwiegend eige-nen Entwürfen über eine eigene Spinnerei, Färberei, Strähndruckerei, Stickerei,Franserei, Appretur usw. Aus familiären und finanziellen Gründen wurde die Fabrik1906 stillgelegt. Die Nachfahren der ehemaligen Firmeninhaber bemühen sich umden Schutz des noch vorhandenen und zum Teil denkmalgeschützten Ensembles.Um 1975 entstand der Plan zur Errichtung eines Webereimuseums in den ehe-maligen Websälen der Fabrik. Dieses Unternehmen ist von besonderem Interesse,weil sich auf Grund der sorgfältigen Bewahrung von Archivmaterial durch die ehe-maligen Firmenbesitzer und deren Nachfahren eine fast lückenlose Dokumentationeines halben Jahrhunderts Familien-, Firmen- und Arbeitergeschichte darbietet.

Neben der Aufstellung von wertvollen Einzelstücken zur Geschichte der Webereiim oberen Waldviertel soll ein anschaulicher Überblick über die Technik undBetriebswirtschaft dieses Textilunternehmens geboten werden, eine Dokumen-

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