großen Teils der österreichischen volkskundlichen Museologen, obwohl museologi-sche Fragestellungen ein zentrales Thema dieser Tagung darstellten.
Wolfgang Slapansky
Arbeitsgespräche zur Ergologie und Gerätekunde Südtirols auf der Brunnenburg,Dorf Tirol, vom 7. bis 9. Mai 1987
In seinem Festvortrag zur Eröffnung der„ Arbeitsgespräche zur Ergologie undGerätekunde Südtirols" auf der Brunnenburg in Dorf Tirol hob em. Univ.- Prof.Dr. Oskar Moser hervor, daß er auf seinen vieljährigen Kundfahrten durch Südtirolimmer schmerzlich feststellen mußte, daß man im Lande selbst den bäuerlichenGeräten wenig Beachtung schenkte. Mit der Errichtung von Landwirtschaftsmuseenin Dietenheim- Brunneck, auf der Brunnenburg und in Kaltern( Weinmuseum) seizwar ein wichtiger Anfang gemacht worden, die Notwendigkeit weiterer gerätekund-licher Dokumentationen bleibe aber bestehen. Wie Moser ausführte, sei die Geräte-kunde für ihn nie Selbstzweck gewesen, sondern nur eine Möglichkeit, einen Zugangzum Verständnis des alpinen Menschen und seiner Probleme bei der Bewältigungseines Lebens und bei der Gestaltung seiner Umwelt zu finden. Als Zeugnis mensch-lichen Kulturschaffens könnten aus der Verbreitung einzelner Gerätetypen aberauch Rückschlüsse auf kulturräumliche Gliederungen gemacht werden. In bezug aufSüdtirol hob Prof. Moser drei Aspekte hervor:
1. Südtirol erweist sich an Hand seines Gerätebestandes als Teil eines größeren, süd-alpinen Kulturraumes, der von Graubünden bis Venetien reicht. Innerhalb diesesRaumes kommt Südtirol die Rolle einer Drehscheibe zu.( Diese Feststellungenkönnen im Hinblick auf allzu nationalistische Betrachtungsweisen nicht genugunterstrichen werden.)
2. Südtirol gliedert sich in drei Regionen: in das Pustertal- Eisacktal, in den Vintsch-gau und das Unterland.
3. Schließlich gibt es die lokalen Kulturformen.
Im Anschluß an seinen Vortrag erhielt Prof. Moser für seine Verdienste um dieErforschung und Pflege der alpenländischen Volkskultur aus der Hand von ObmannDr. Ludwig W. Regele das nur selten an Nichtsüdtiroler vergebene Verbandsver-dienstzeichen des Landesverbandes für Heimatpflege in Südtirol, der zusammen mitdem Arbeitskreis Brunnenburg dieses 1. Symposium zur Arbeits- und GerätekundeSüdtirols veranstaltete. Als Hausherr, Organisator und Leiter der Tagung zeichnetein vorbildlicher Weise Dr. Siegfried de Rachewiltz verantwortlich. Sein Anliegenwar es, die Betreuer von Orts- und Talmuseen Südtirols einmal zu einem gemeinsa-men Gedankenaustausch zusammenzuführen, um mit dem Nestor der österreichi-schen Geräteforschung und mit Vertretern etablierter Museen aus Österreich dieProbleme und Anforderungen an das Museum von heute zu diskutieren. In angeneh-mer Atmosphäre folgten an den beiden dafür vorgesehenen Tagen in dichter Reihen-folge wissenschaftliche Vorträge und praxisorientierte Berichte von Leuten, dienoch mit den Geräten umzugehen wissen.
Den Anfang machte Christoph Gasser über„, Aspekte der Tiroler Schlingenjagd.Paradigmen einer Untersuchung". Ausgehend von lokalen Belegen zeigte Gasserunter Berücksichtigung der weitverstreuten Literatur und unter Heranziehung
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