Jahrgang 
90 (1987) / N.S. 41
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4. Arbeitstagung ,, Arbeiterkultur" in Steyr/ Oberösterreichvom 30. April bis 2. Mai 1987

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Mensch

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Die nunmehr bereits 4. Tagung der Kommission, Arbeiterkultur der DeutschenGesellschaft für Volkskunde fand im Rahmen der oberösterreichischen Landesaus-stellung 1987 ArbeitMaschine Der Weg in die Industriegesell-schaft" statt und wurde gemeinsam von der Kommission Arbeiterkultur" und demVerein ,, Museum Arbeitswelt"( Steyr) organisiert und durchgeführt.

Daß die Kommission nun- nach Wien 1980, Hamburg 1983, Marburg 1985-bereits zum zweiten Mal in Österreich tagte, läßt wohl deutlich erkennen, daß diebislang erschienenen österreichischen Beiträge zum Thema Arbeiterkultur von gro-Ber Bedeutung für die gesamteuropäische volkskundliche Forschung waren, mußaber auch als Herausforderung und Ansporn für die noch intensivere Auseinander-setzung mit den Themenbereichen der Arbeiterkultur in unserem Fach verstandenwerden.

Der hohe Stellenwert, der der Arbeiterkulturforschung in der Volkskundezukommt, ist untrennbar verbunden mit einem Wissenschafter, der durch sein jahre-langes unermüdliches Engagement für die unterdrückten, gesellschaftlich benach-teiligten Menschen, die in der volkskundlichen Forschung nur allzuoft vergessenwurden, maßgeblichen Anteil daran hatte, daß Arbeiterkultur thematisiert und wis-senschaftlich etabliert wurde: Helmut P. Fielhauer. Seine Forschungs- und Lehr-tätigkeit( thematisch insbesondere in Bereichen des ländlichen Proletariats), aberauch seine Überlegungen bezüglich musealer Dokumentation von Arbeiterkultur,waren wegbereitend für neue, engagierte Ansätze und Zugänge in unserem Fach.Ihm, der großen Anteil an der Konstituierung der Kommission Arbeiterkultur" undauch an der Organisation der Tagung in Steyr hatte, diese jedoch nicht mehr erlebenkonnte, war die Arbeitstagung 1987 gewidmet.

Ein für österreichische Verhältnisse völlig neues Museumskonzept wurde von denOrganisatoren der Landesausstellung ,, Arbeit- Mensch- Maschine- Der Weg insIndustriezeitalter präsentiert. Erstmals findet eine Landesausstellung in einem ehe-maligen Fabriksgebäude statt. Die Ausstellungsräume befinden sich in einem Teilder bis 1981 in Betrieb gewesenen Hack- Werke im Wehrgraben in Steyr. DasGebäude wurde von der oberösterreichischen Landesregierung renoviert und demVerein ,, Museum Arbeitswelt" zur Verfügung gestellt, der es nach Ende der Landes-ausstellung im November 1987 als erstes großes Industriekulturmuseum Österreichsweiterführen wird.

Udo B. Wiesinger und Rudolf Kropf erläuterten Konzept, Durchführung und Per-spektiven des Museums: Im Mittelpunkt der Ausstellung sollte der arbeitendeMensch stehen- sowohl im Produktionsbereich als auch in der Reproduktion seinesmateriellen Lebens. Zur Darstellung des( doch evolutionistisch interpretierten histo-rischen) Konzepts der Entwicklung der industriellen Arbeitswelt wurden als Gliede-rungskriterien die Formen der Energiegewinnung in der jeweiligen Epoche gewählt.Die vorindustrielle Phase( symbolisiert durch das Wasserrad als Energieträger) istgekennzeichnet durch handwerkliche bzw. manufakturelle Produktionsweise. Diefrühindustrielle Phase des 19. Jahrhunderts( Dampfmaschine) zeigt die industrielleProduktionsweise am Beispiel der textil- und metallverarbeitenden Industrie und dieAntagonismen zwischen Unternehmern und werktätig Lohnabhängigen. Die Zwi-schenkriegszeit ist geprägt von der Veränderung der Arbeit durch Rationalisierung

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