filmische Realisation und die wissenschaftliche Konzeption in getrennten Händenlag. Gemessen an den Ergebnissen muß diese Arbeitsteilung als gelungen bezeichnetwerden.
Angesichts solcher Beispiele war es nicht verwunderlich, daß der sogenannte eth-nographische Film, wie ihn etwa Martin Taureg( Hamburg) in seinen„, Leitsätzen zurvölkerkundlichen Filmdokumentation" samt historischen Beispielen aus Göttingenoder der Vertreter des Max- Planck- Instituts, Dr. Wulf Schiefenhövel, der dieAnwendung des Films in der Humanethologie und Verhaltensforschung behandelte,bei den Dokumentarfilmern auf großen Widerspruch stieß. Dr. Werner Petermann( München) versuchte zwar einen Weg ,, Vom ethnographischen zum ethnologischenFilm" aufzuzeigen, blieb aber in der Theorie stecken. Auch Doz. Dr. Roland Girtler( Wien) erntete mit seinen„, Methoden der qualitativen Sozialforschung" Skepsis hin-sichtlich ihrer Anwendbarkeit bei der Filmarbeit.
Interessante Vergleiche boten die Filme von Dr. Renato Morelli vom InstitutCultural Ladin aus Vigo di Fassa und Dr. Pierre L. Jordan von der École des HautesÉtudes in Marseille, die sich die„ Visuelle Dokumentation in den ladinischenTälern"( im Rahmen der Fernsehanstalt RAI) bzw. die„ Dokumentation dereigenen Gesellschaft Die Alpen der Haute Provence" zum Ziele setzten. Beidewählten dafür als gesellschaftlichen Ausschnitt eines Dorfes den Rekrutenjahrgangund zeigten seine Rolle innerhalb des Jahresbrauches bzw. beim Kirchweihfest. Andiesen beiden wohl zufällig dargebotenen Beispielen, wie auch an jenem vonDr. Nasko Križnar von der Filmabteilung der Slovenischen Akademie der Wissen-schaften in Laibach vorgeführten Film, der das dörfliche Maskentreiben im Faschingzum Inhalt hatte, merkte man, wie reizvoll es sein könnte, eine solche Tagung untereine Thematik, etwa den Fasching, zu stellen, um an Hand der Filme europäischeVergleiche anstellen zu können. Dasselbe trifft auch auf die Ausführungen und denFilm von Dr. Hugo Zemp, des Ethnomusikologen am Musée de l'Homme in Paris,
zu.
Dem Organisator der Tagung, Dr. Franz Haller, ging es bei seiner 1. Retrospek-tive aber zunächst wohl darum, grundsätzlich auf die Bedeutung und Notwendigkeitfilmischer Dokumentation der regionalen Kultur zu verweisen. Als Begründer undLeiter des Arbeitskreises zur audiovisuellen Dokumentation Südtiroler Volkskulturkonnte er zwar mit einer Reihe von Filmen, die auch in die EC Aufnahme fanden,sein Anliegen bereits unter Beweis stellen, ohne bisher bei den zuständigen Stellenin Südtirol aber die nötige Unterstützung zu finden. Aus diesem Grund lud Dr. Hal-ler das Institut für den wissenschaftlichen Film in Wien ein, um die in den Jahren1939 bis 1942 und 1959 von Prof. Dr. Richard Wolfram( Wien) gedrehten Filme überBräuche, Spiele, Tänze und über den Almabtrieb in Südtirol zu zeigen, die- wie diegesamte Tagung- auf großes Interesse bei der Bevölkerung stießen. Es ist ihm nurzu wünschen, daß diese Tagung, die für alle Teilnehmer eine Bereicherung war, zueiner Bewußtseinsänderung führte.
Franz Grieshofer
Bericht über die III. Tagung der S.I.E.F. vom 8. bis 14. April 1987 in ZürichDie III. Tagung der S.I.E.F. wurde thematisch dem Lebenslauf gewidmet. Siewurde von der Schweizerischen Gesellschaft für Volkskunde in Zusammenarbeit
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