Chronik der Volkskunde
Bericht von der 1. Retrospektive über den volkskundlichen/ ethnographischen Filmin der Regio Alpina in Bozen vom 18. bis 22. Februar 1987
Die 1. Retrospektive über den volkskundlichen/ ethnographischen Film in derRegio Alpina führte eine Reihe von Fachleuten aus Deutschland, Frankreich, Jugo-slawien, Österreich, Schweden, der Schweiz und Italien im Schloß Maretsch inBozen zusammen, die ihre neuesten Filme vorführten, die Arbeitsweise ihrer Institu-tionen vorstellten und über die Möglichkeiten des wissenschaftlichen Films in For-schung und Dokumentation diskutierten. Die internationale Besetzung sprengtedabei notgedrungen den im Titel vorgegebenen regionalen und fachspezifischenRahmen, etwa wenn gleich zu Beginn Prof. Paolo Chiozzi vom Festival dei PopoliFirenze Überlegungen über den ethnographischen Film anstellte(„, Ripensare il filmethnografico: L'Anthropologia Visuale e la dinamica del mutamento) und dazueinen bemerkenswerten, für das Fernsehen gestalteten Videofilm über die geänder-ten Lebensbedingungen der Lappen Glossar ::: zum Glossareintrag Lappen am Rande von Kiruna zeigte. Dr. Knut Ekström( Stockholm) berichtete über die skandinavische anthropologische Filmvereinigung,ihre Arbeit und Methode und führte als Beispiel einen Film über die Schrebergarten-idylle kleiner Leute am Rande von Stockholm vor. Diese Hinwendung zu neuen The-men und Problemstellungen demonstrierten auch Prof. Paul Hugger und Dr. HansU. Schlumpf( Zürich) von der Abteilung Film in der Schweizerischen Gesellschaftfür Volkskunde. Widmeten sie sich bisher einer filmischen Enzyklopädie des altenHandwerks, so gaben sie mit dem Film„ Guber- Arbeit am Stein", der dieGeschichte einer Steinklopfersiedlung, die Technologie, vor allem aber die sozialeSituation der aus Italien und zuletzt aus Spanien stammenden Arbeiter behandelt,eine Kostprobe ihrer neuen Produktion. Es gelang ihnen jedenfalls meisterhaft, einkomplexes Thema filmisch umzusetzen. Ähnliches kann von ihrem Film„ Derschöne Augenblick" gesagt werden, mit dem den alten Straßen-, Wander- und Dorf-photographen ein witziges und charmantes Denkmal gesetzt wurde. An Hand vonvier Photographen, darunter ein Photopionier in Mönchsgewand, dessen Platten undTagebuchaufzeichnungen man in einem Kloster in der Innerschweiz fand, wurde dieEntwicklung der Photographie vom Standbild bis zum Sofort- bzw. digitalisiertgespeicherten Bild gezeigt. Mit Spannung darf man daher auf den Film„ Umbruch"warten, der den Wandel des Buchdrucks vom Bleisatz zum Lichtsatz und zur Text-verarbeitung schildern und dabei zeigen wird, was diese Umstellung für die Betrof-fenen bedeutet. Hervorgehoben zu werden verdient, daß bei diesen Filmen die
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