Jahrgang 
90 (1987) / N.S. 41
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16. Februar 1935 würdigte deren Präsident, Staatsrat Dr. DesiderFriedmann, den Verstorbenen:

,, Sein Ableben bedeutet für uns einen unersetzlichen Verlust.Wachstein gehörte zu den begnadeten Menschen, die mit ausge-zeichneten Fähigkeiten ausgestattet, Gründlichkeit mit unermüdli-chem Arbeitseifer verbanden. Mit tiefem Verständnisse undgestützt auf einen reichen Schatz des Wissens hat er überaus wich-tige und wertvolle Forschungsergebnisse ans Licht gebracht und dasAnsehen unserer Bibliothek ganz ausserordentlich gefördert.Wenn dieselbe heute in der von ihm gegebenen Richtung in derganzen Welt Achtung und Ansehen geniesst, so ist es in erster Linieseinem Verdienste zuzuschreiben.

Ich will hier nicht die Persönlichkeit Wachstein's als Historiker,Bibliograph, Philosoph schildern, so vielfältig auch das Gebiet wis-senschaftlicher Betätigung und seiner Forschung gewesen sein mag,ich will nur hervorheben, dass die Geschichte unserer Stadt undunserer Gemeinde mit seinem Namen verknüpft ist. Ihm verdan-ken wir, dass der Friedhof in der Seegasse, seine Grabsteine, wis-senschaftlich bearbeitet und das Ergebnis der Öffentlichkeit über-geben wurde. Ich erwähne seine ausgezeichneten Katalogarbeiten,die Katalogisierung der Salo- Cohn- Bibliothek und andere.

66.51

Wachstein arbeitete nicht nur mit Landau zusammen 52, sondernvertrat mit Grunwald jenen geschichtswissenschaftlichen Teil derjüdischen Volkskunde, die abseits einseitiger Kanonbildung jedesgeistige und materielle Zeugnis als Äußerung jüdischer Kultur inihre Betrachtung einbezog. Hierzu gehört auch sein wohl bedeu-tendstes Werk, die Erfassung der Wiener Grabsteine 53. Grunwaldselbst hatte bereits in Hamburg, sicherlich inspiriert durch dieGeschichte der dortigen sefardischen( portugiesischen) Ge-meinde in Altona, sich mit deren Friedhofskunst beschäftigt 54. Dieswurde zum Beginn eines lebenslangen Interesses an der populärenKultur der sefardischen Juden, die er vor seiner Emigration u. a.auf ausgedehnten Reisen nach Spanien studierte 55.

In Hamburg hatte Grunwald ein Museum für jüdische Volks-kunde" projektiert 56. Als er nach Wien kam, fand er das, JüdischeMuseum vor, das 1893 als Gesellschaft für Sammlung und Con-servierung von Kunst- und Historischen Denkmälern des Juden-tums" gegründet worden war und seit 1899 korporativ als, Museumfür jüdische Alterthümer" der Gesellschaft für jüdische Volks-kunde" als Mitglied angehörte 57. Die Zusammenarbeit mit dem

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