Jahrgang 
90 (1987) / N.S. 41
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eine Neben- und Freizeitbeschäftigung neben dem eigentlichenBeruf. Güdemann war ebenso Rabbiner wie etwa der berühmteFolklorist Moses Gaster( 1856-1939) in London, David Simonsen( 1853-1932), der sich erst von seinem Amt als Oberrabbiner inKopenhagen vorzeitig entbinden lassen mußte, um sich ganz derWissenschaft widmen zu können, oder Grunwald selbst, der u. a.auch deswegen mit der Israelitischen Kultusgemeinde in Wien inKonflikt geriet, weil man ihm seine wissenschaftlichen Nebentätig-keiten verübelte( vgl. unten). Zum anderen fehlten die akademi-schen Lehrtraditionen. Bis 1919, als Otto Lauffer in Hamburg denersten volkskundlichen Lehrstuhl erhielt, verfügte die Volkskunde,ganz zu schweigen von der jüdischen Volkskunde, die sich aus der,, Wissenschaft des Judentums" entwickelt hatte, weder über dieMöglichkeit einer fachspezifischen Ausbildung noch über akade-misch- kanonisierte Lehr- und Methodenfelder. Sie war vom Plura-lismus unterschiedlichster individueller Interessen und Neigungen,aber auch von beruflichen Ausgangspunkten und Hintergründengeprägt: Gaster hatte z. B. über ein linguistisches Thema³5, Grun-wald über den jüdischen Philosophen Baruch Spinoza promoviert³6und sich zudem mit historischen und archivalischen Studien einenNamen gemacht. Dies berechtigt, den Historiker Bernhard Wach-stein, der mit Grunwald zusammengearbeitet hatte, eben auch fürdie jüdische Volkskunde in Beschlag zu nehmen. Sie war somitinfolge ihres Umfeldes zugleich interdisziplinär wie holistisch ange-legt und geriet dadurch lange vor dem Aufbruch der modernendeutschsprachigen Volkskunde in die Gegenwart zur faszinieren-den Kulturanalyse. Daß sich Grunwald sowohl in Hamburg wie inWien mit historischen und gemeindekundlichen Studien beschäf-tigte, erklärt sich als logische Konsequenz der zugrundeliegendenBedingungen³7. Daß Eli Yassif eben diese Untersuchungen in sei-ner Bibliographie als volkskundlich unerheblich und daher als nichterwähnenswert betrachtet, weist darauf hin, in welchem Maße dieFrühphase der jüdischen Volkskunde in Hamburg und Wien inVergessenheit geraten ist ³8.

Der vergessene Rabbi. Max Grunwald

Dies trifft insbesondere auf Max Grunwald selbst zu. Die Rekon-struktion seine Lebens wird zum mühsamen Puzzle und führt zurErkenntnis, daß an ihn, den Historiographen der jüdischenGeschichte Wiens³, spätere Chronisten kaum einmal ein Wort ver-schwenden. So erwähnt etwa Herbert Rosenkranz nur kurz seinen

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