Jahrgang 
90 (1987) / N.S. 41
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Der Autor bringt auch Beispiele von Schwänken, die sich um weithin bekannteEulenspiegel- Typen ranken. Manche sind wohl vom Türkischen her beeinflußt, dochandere hängen offensichtlich mit Seriengeschichten aus der Westromania zusam-men. Dort ist Pedro de Malazarte ein Schelm, der als Held manchmal recht brutalerEpisoden sehr populär geworden ist. Sogar der Name Peter" ist in etlichen bulgari-schen Schwänken( bei Eschker die Nummern 99, 100, 101 und 105) beibehalten, derAblauf leicht variiert.

Das Nachwort versucht, in den Komplex des Balkanschwankes einzuführen undseine Funktion aufzuhellen. Daß es auf den Südost- Raum akzentuiert ist, wird manverstehen, wenn auch darunter die Gesamtzusammenhänge sowohl geographischwie auch historisch etwas zu kurz kommen. Der erwähnte Pedro läßt sich unter die-sem Namen bis ins Spätmittelalter zurückverfolgen, aber es ist schwer zu ergründen,warum er den Namen nicht gewechselt hat, während einige Schwänke, deren frühe-ste schriftliche Belege wir in Frankreich finden- etwa im Roman de Trubert"sich in Namengebung und Milieu stärker der landschaftlichen Umgebung angepaẞthaben. Insgesamt ein gut gelungener Band.Felix Karlinger

Radu Niculescu, Ghicitor

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Ediţie îngrijită, bibliografie şi index bibliografic.-Bucureşti, Editura Minerva, 1986, LXVI, 223 Seiten.Dieses Buch des Volkskundlers Radu Niculescu enthält 771 volkstümliche Rätsel,geordnet und gegliedert in 21 Sachgruppen. Man muß die kluge Einleitung gelesenhaben, um nicht nur die Vielschichtigkeit des Phänomens Rätsel" zu verstehen,sondern auch seine verschiedenen Funktionsweisen und spielerischen Möglichkeitenausloten zu können. Spirit şi Poezie"( Geist und Dichtung) hat der Autor alswesentliche Eigenheiten der Gattung akzentuiert und selbst auf fast poetische Weiseausgelegt. Es handelt sich jedoch nicht um die Analyse eines nur von den Textenausgehenden Literaturwissenschaftlers, sondern um eine behutsame Anleitung, hin-ter den Rätseln die Menschen zu erkennen, die derlei auszuspinnen vermögen. DerAutor hat eine praxisnahe Einstellung, einen Bezug nicht nur zu dem hinter denWorten stehenden Spieltrieb, sondern auch zu der in diesen und mit diesen Wortenerklingenden Musik. Denn über die Freude am geistreichen Einfall hinaus geht esdem Rätselhersteller sehr oft um Klang und Harmonie.

Man muß in der Tat große Teile dieses Buches laut lesen, um nicht nur an Inhaltenzu rätseln, vielmehr sich an der Wortmusik berauschen zu können.

So manches Mythische und Mysteriöse klingt in einzelnen Rätseln an; und so wir-ken Teile dieser Gattung nicht nur wie eine Schule des Denkens, des Nachsinnensund Nachgrübelns: sie bedeuten wirklich eine Art Unterweisung in einem geheimnis-vollen Kosmos.

Die Textgruppen beginnen mit dem Menschen unmittelbar und führen über Hausund Dorf, Pflanzen- und Tierwelt ins Meteorologische, in Tages- und Jahreskreislauf,ins Kosmische von Sonne, Mond und Gestirnen, um bei den Elementen zu enden.Neben einer reichhaltigen Bibliographie enthält das Buch einen exakten Quellen-nachweis.

Manche Rätsel sind- oder waren einmal auch bei uns bekannt; andere hinge-gen überraschen durch ihre hintergründige Erfindungsgabe. Immer wieder aber ver-führt der liedhafte Klang dazu, auch Enträtseltes nochmals nur mit dem Ohr aufzu-nehmen.Felix Karlinger

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