Haltung, vielleicht sogar ein erstes„ ökumenisches“ Zeichen der Gemeinsamkeitzwischen Katholiken und Protestanten erkennen wollen.
Daß alle diese Dinge nun auch säuberlich in übersichtlichen Tabellen zusammen-gefaßt sind, wird man als Volkskundler besonders begrüßen, ebenso die sehr sorgfäl-tige Beschreibung der Einzeldenkmäler im Katalogteil. Die lange vernachlässigtegeistige Welt der Barocke und die frömmigkeitsgeschichtlichen Spannungen vonNachbarock und Aufklärung sind sichtlich und doch auch in der Kanzelkunst nieder-gelegt und festgeschrieben. An sie möchte man denken, wenn man dieses nützlicheBuch von Barbara Kienzl liest und es vermutlich immer wieder zur Hand nehmenwird müssen.Oskar Moser
Giovanni B. Bronzini, Mario Azzarone, Gianni de Vita, Santuari e pellegri-naggi in Puglia: San Michele sul Gargano(= Rilevazione sistematicadella cultura popolare in Puglia, Vol. 1).( Lecce), Congedo Editore, 1985, 91 Sei-ten, 195 Abb. im Anhang.
Die Serie ist offensichtlich bestrebt, breiteres Publikumsinteresse mit wissen-schaftlicher Gediegenheit zu verbinden. Um die letztere bemüht sich vor allem derLehrstuhlinhaber für Volkskunde an der Universität Bari, Giovanni Bronzini.
Von ihm stammt auch der erste Teil„ Origine del culto e devozioni popolari"( Her-kunft des Kults und der volkstümlichen Verehrungsformen). Über die Legende deshl. Michael auf dem Gargano ist schon verschiedentlich geschrieben worden, aberhier ist in gedrängter und übersichtlicher Form alles Wesentliche zusammengetra-gen, einschließlich der wichtigsten Abschnitte aus der lateinischen Legendenfas-sung. Bronzini setzt sich mit einzelnen Quellen ebenso auseinander wie mit den Deu-tungsversuchen. Daß er sich dabei auf italienische Materialien beschränkt und weiterabliegende Varianten fremder Länder vernachlässigt, ist zu verstehen. Knapp gehal-ten sind Bronzinis Kapitel„ ,, Le vie e i tempi dei pellegrinaggi"( Die Wege und Zeitender Pilgerfahrten) und„ Il Santo guerriero e il Santo dei pastori"( Der heilige Kriegerund der Heilige der Hirten).
Nach dieser mehr historischen und theoretischen Darstellung gehen die beiden fol-genden Teile stärker ins Praktische; Mario Azzarone beschäftigt sich mit ,, Iscrizionevotive a San Michele“, indem er 11 Texte genau verzeichnet und glossiert. GianniDe Vita endlich geht mit ,, Rilevazioni attuali sui pellegrinaggi“ auf die Erscheinungs-formen des derzeitigen Wallfahrtswesens ein. Dankenswerterweise verzeichnet erLieder, Anrufe und litaneiartige Formulierungen nicht nur im Text, sondern gibtauch die Melodien wieder.
Insgesamt bietet dieser Textteil mehr Handfestes als der folgende sehr ausführli-che Abbildungsteil. Hier ist nicht nur die technische Seite der Fotografien nicht aus-reichend, sondern manche Bilder stehen zu beziehungslos im Zusammenhang. Einerheblicher Teil ist ohne Bildunterschrift, und zahlreiche Fotos bedürften eines sieergänzenden Kommentars. Das gesamte Bildmaterial könnte zu einer beeindruk-kenden Aussage gelangen, doch so wirkt es lediglich wie eine Serie von Dias ohneErklärungen. Schade, denn in dem Band steckt mehr, als man beim flüchtigenDurchblättern wahrnimmt. Er darf nicht nur als lokaler Beitrag zum Wallfahrtswe-sen auf dem Gargano gelten, darüber hinaus ist hier auch ein Kapitel zum noch rela-tiv wenig erarbeiteten Komplex des Engelbildes aus der volkstümlichen Perspektivegeschrieben worden.Felix Karlinger
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