Jahrgang 
90 (1987) / N.S. 41
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ihrer wissenschaftlichen und technischen Disziplinen in der vorliegenden Studie ent-decken.

Manfred E. Ganz

Miroslava Ludvíková, Moravská lidová výšivka( Mährische Volksstickerei).Hg. vom Mährischen Museum in Brünn. Brünn 1986, 244 S., 236 z. T. farb. Abb.,mit Zeichnungen und einer Karte, dt., engl., franz., russ. Zusammenfassung.Miroslava Ludvíková, die Textilsachverständige des Mährischen Museums inBrünn, in Fachkreisen bekannt für eine Reihe von profunden Arbeiten über Technikund Ornamentik volkstümlicher Stickereien, aber auch zu Themen der Trachtenfor-schung ihres Landes, hat einen neuen Baustein zur Erforschung volkstümlicher Tex-tilkunst geliefert. Es handelt sich um eine umfangreiche Arbeit über die Volkssticke-rei in Mähren, die einen sowohl in die Breite wie auch in die Tiefe gehenden Über-blick zu diesem Thema in der genannten Region ermöglicht. Anhand umfangreichenMaterials aus verschiedenen tschechoslowakischen Museen werden die formalenKriterien, wie Stickereitechniken( Stickereien nach gezähltem Faden und nach Vor-zeichnungen, Kreuzstichstickerei, Weißstickerei), Wandlungen der Farbigkeit, dieverschiedenen Anwendungsmöglichkeiten auf Heimtextilien oder Trachtenteilen,Motivunterschiede je nach Region und Entstehungszeit( geometrische Formen,vegetabile und zoomorphe Motive, ganze Genreszenen) usw. ausführlich erläutert.Das Buch besticht aber vor allem dadurch, daß es über diese Formalismen hinaus-geht, und auch auf Fragen der Entwicklung und Verbreitung der Stickerei und derenUrsachen eingeht, auf wirtschaftliche Gründe für Änderungen von Material undTechnik, auf die Rolle der Beeinflussung der Produktion sogenannter Volkskunstdurch volkskundliche Forschungen und Ausstellungen, auf die soziale und kulturhi-storische Bedeutung der offiziellen Unterstützung der Heimindustrie und der Tätig-keit von Stickereischulen. Die 236 größtenteils gut dokumentierten Abbildungenmanche von ihnen sogar in Farbe-, deren qualitätsvolle Reproduktionen vieleDetails erkennen lassen, machen das Buch zu einem sehr wertvollen Nachschlag-werk der volkskundlichen Textilforschung. Eine umfangreiche Literaturliste ergänztden positiven Eindruck dieser Publikation.

Margot Schindler

Hans- Jürgen Rach, Bernhard Weissel( Hgg.), Bauer und Landarbeiter imKapitalismus in der Magdeburger Börde. Zur Geschichte des dörflichenAlltags vom Ausgang des 19. Jahrhunderts bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts(= Veröffentlichungen zur Volkskunde und Kulturgeschichte, Band 66/3; Unter-suchungen zur Lebensweise und Kultur der werktätigen Dorfbevölkerung in derMagdeburger Börde, Teil II). Berlin/ DDR, Akademie- Verlag, 1982, 438 Seiten,55 Abb., 11 Tabellen, 6 Karten.

Nachdem die Herausgeber H. J. Rach und B. Weissel 1978 und 1979 die erstenHalbbände des ersten Teils unter dem Titel: Landwirtschaft und Kapitalismus. ZurEntwicklung der ökonomischen und sozialen Verhältnisse in der MagdeburgerBörde vom Ausgang des 18. Jahrhunderts bis zum Ende des Ersten Weltkrieges.Untersuchungen zur Lebensweise und Kultur der werktätigen Dorfbevölkerung inder Magdeburger Börde, Berlin/ DDR, Akademie- Verlag, Teil 1,1, 1978 und Teil1,2, 1979, und Hainer Plaul: Landarbeiterleben im 19. Jahrhundert. Eine volks-

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