Bentivoglio bei Bologna schreibt über die Seidenmühlen in Italien, die bereits vorder industriellen Revolution fabriksmäßig organisiert waren. Und zu guter Letzt istauch der Beitrag des Ex- voto- Forschers Angelo Turchini³) ausgesprochen informa-tiv. Er beschäftigt sich darin vor allem mit Arbeitsunfällen etwa in der Textilindustrieund beim Eisenbahnbau, hervorgerufen durch Transmissionen, elektrischen Stromund Explosionen, die als neue Motive in den Votivtafeln des 19. und 20. Jahrhun-derts abgebildet werden.
Bei der bekannt schönen und sorgfältigen italienischen Kataloggestaltung bedau-ert der Rezensent, von den zahlreichen Abbildungen keinen Vorgeschmack gebenzu können. Allen jenen aber, die in der nächsten Zeit nach Mailand kommen, sei diedritte, heurige Ausstellung der XVII. Triennale im Palazzo dell'Arte ans Herzgelegt, die unter dem Titel„ Le Città Immaginate" die Vergangenheit und dieZukunft von neun italienischen Städten darstellt und damit zum Anlaß der zweihun-dertjährigen Wiederkehr von Goethes Reise nach Italien zu einer anderen„ Reise inItalien“ einlädt. Unter den Ausstellungsgegenständen können auch Karten des Po-Deltas betrachtet werden, die 1812-14 von Österreichern in Auftrag gegebenwurden.
Reinhard Johler
Anmerkungen:
1. Antonio Buttita, Semiotica e antropologia, Palermo 1979.Ders., La magia come segno e come conflitto, Palermo 1979.
2. Zum gleichen Thema der am leichtesten greifbare Aufsatz von Poni:Carlo Poni, Maß gegen Maß: Wie der Seidenfaden lang und dünn wurde. In: Ber-dahl/ Lüdtke/ Medick u. a., Klassen und Kultur. Sozialanthropologische Perspekti-ven in der Geschichtsschreibung. Frankfurt a. Main 1982, S. 21-53.
3. Angelo Turchini, Lo straordinario e il quotidiano. Ex voto, santuario, reli-gione popolare, Brescia 1980.
Erika Hubatschek, Almen und Bergmähder im oberen Lungau.1939-1984. 2., wesentl. erw. Aufl., Innsbruck, Eigenverlag, 1987, 182 Seiten mit92 Abb., zwei statist. Beilagen.
Wenn man selbst die Idee zur Neuauflage dieses Werkes und zur Nachforschungdes sozio- ökonomischen Wandels gegeben, die beschriebene Region monatelangdurchforscht und mehrere Bücher darüber herausgebracht hat, scheint es, daß manfast eine zu enge Beziehung zu jener Veröffentlichung hat, um sie einigermaßenobjektiv zu beurteilen. Doch liest man eine Rezension über die Erstauflage diesesWerkes vor über einem Vierteljahrhundert- der Buchautorin sicherlich längst ent-fallen, dann sehe ich mich mit dem der Sachvolkskunde sicherlich nicht zu sehrzugewandten Leopold Schmidt nach wie vor einer Meinung:„ Dieses prächtige Büch-lein, eine Arbeit aus dem geographischen Institut der Universität Innsbruck, ist mitvolkskundlicher Grundeinstellung erarbeitet und sowohl vom reichen, gewissenhafterwanderten und erschauten Stoff wie von einer zielgerichteten Verwertung her fürunsere Hochalpenvolkskunde von größter Bedeutung."( ÖZV V/ 54, 1951, H. 3-4,S. 183 f.)
Im ersten Teil enthält das nunmehr fast aufs Doppelte angewachsene Buch denunveränderten Nachdruck des längst vergriffenen Werkes aus dem Verlag der
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