Jahrgang 
90 (1987) / N.S. 41
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der Jahrhundertwende sowie Beispiele moderner Kachelöfen mit zumeist historisie-render Motivik.

Das Gesamtwerk über Kachelöfen läßt die Ideenvielfalt und das Geschick desHafnerhandwerks vergangener Jahrhunderte im mittel- und osteuropäischen Raumauf anschauliche Art ermessen. Eine gelungene Würdigung der Hafnerkunst.

Claudia Wacha

Il Luogo Del Lavoro. Dalla manualità al comando a distanza. Electa XVIITriennale di Milano. Milano 1986, 283 Seiten, zahlreiche Abbildungen.

,, Il Luogo Del Lavoro ist der Katalog zur gleichnamigen zweiten Ausstellung derXVII. Triennale, die 1986 in Mailand stattfand. Schon der Untertitel deutet pro-grammatisch den Inhalt dieser Triennale an. In insgesamt 46 Beiträgen, die jeweilsauch Sektionen in der Ausstellung waren, werden vielfältige Aspekte der Kulturge-schichte des Arbeitsplatzes behandelt. Es entspricht dabei der Zielsetzung der Ver-anstalter, nicht bei der Vergangenheit stehen zu bleiben, sondern auch die Gegen-wart und die Zukunft zu beleuchten. In der Tat sind es ja auch jene aktuellen, zumTeil dramatischen Veränderungen des Arbeitsplatzes, die Fragen nach der Bewälti-gung etwa der industriellen Revolution durch unsere Vorfahren aufwerfen.

Die vorindustrielle Zeit und das Einsetzen der industriellen Revolution wird aus-führlich in den Kapiteln Prima della Revoluzione industriale und Dalla bottegaalla fabbrica behandelt. Vom Ackerbau der alten Ägypter ausgehend, wird ein wei-ter Bogen über die Salinen im westsizilianischen Trapani, die Bergbaukultur in Sar-dinien, die Arbeit in der mittelalterlichen Stadt( etwa Kunsthandwerk) bis hin zu denSeidenmühlen in Oberitalien gespannt.

Dabei wird von den Veranstaltern besonders betont, daß nicht nur der Arbeits-platz einen starken Wandel erfahren hat, sondern damit auch die sozialen und kultu-rellen Beziehungen der Menschen untereinander. Im Kapitel Il territorio completa-mente artificiale" wird in den Beiträgen über die Deichbauten in Holland und dieTrockenlegungen in Italien ein weiterer Aspekt ausgeführt, nämlich, wie starkmenschliche Arbeit auch das Panorama, die menschliche Umgebung, verändert hat.

In ,, Il lavoro trasformo in immagine" werden bildhafte Darstellungen industriellerArbeit besprochen und deren Ikonographie überzeugend dargestellt. Im folgendenAbschnitt ,, Dentro la fabbrica geht es um den Arbeitsplatz in der Fabrik, interes-sant ist aber auch der Beitrag von Laura Bonin über die Berufs- und Arbeitskleidung.

Neben den ,, Aussichten für die Zukunft und zahlreichen Beispielen von konkre-ten Arbeitsplätzen, scheint mir besonders der Aufsatz von Alberto Mioni interessantzu sein, der sich mit Industriearchäologie, Industriemuseen, vor allem aber mit derVerwendung von inzwischen leerstehenden Industriegebäuden beschäftigt und Vor-schläge für eine weitere Nutzung dieser Kulturbauten mit italienischen und interna-tionalen Beispielen anführt. Dies ist ja inzwischen auch zu einem berechtigten Pro-blem für den Denkmalschutz in Österreich geworden.

Obwohl alle Beiträge natürlich lesenswert sind, können hier nur einige weiterekurz erwähnt werden. So befassen sich der Volkskundler Antonio Buttitta¹) undMargherita De Simone mit der bereits erwähnten Salzgewinnung und deren Moder-nisierung in Sizilien. Der auch in Österreich bekannte Carlo Poni²), Wirtschaftsge-schichteprofessor und Leiter des Muso della civilità contadina in San Marino di

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