als vielmehr die Funktionsstrukturen der betroffenen Gebäude ausschlaggebendgewesen sein dürften. Leider sind vor allem die Scheunenbauten in der gesamtenHausforschung diesbezüglich immer und überall völlig vernachlässigt worden,obwohl ihre hohe Relevanz für das Hofleben und erst recht für Arbeit und Wirtschafteigentlich deutlich vor Augen stehen müßte.
Unser kleiner Exkurs in die Möglichkeiten einer effizienten Bundwerkforschungzeigt, wie anregend Paul Werners Buch für dieses Neuland der Hausforschung seinkann. Dessen reiches Material und viele interessanten Details, auch die schöne Dar-stellung über Zimmermeister, Zunftbücher und die Zimmererarbeit in Vergangen-heit und Gegenwart von Volker Liedke, W. Neu und Alois Stockner, die hier aufge-nommen wurde( S. 33-38), über Firstbier und Firstbaumheben nach A. Stocknerund Franz C. Lipp( S. 39 f.) wird man begrüßen. Für den weiten Bereich Bayernsalso liegt hier eine mutige und eigentlich schon lange fällige, zusammenfassende Dar-stellung vor. Sie wird hoffentlich auch andernorts das Interesse an einer zweifellosnicht bloß kunstgewerblich oder künstlerisch, sondern auch baugeschichtlich undvolkskundlich bedeutsamen Großerscheinung ländlich- bäuerlichen Bauens wecken,anregen und vertiefen helfen.
Oskar Moser
Anmerkungen:
1. Vgl. dazu Ján Lichner, Slowakei.(= Kunstdenkmäler der ČSSR), München1979, S. 377 und 395.
2. J. Lichner, Slowakei, Abb. 255-256; vgl. neuerdings Vera Mayer, Holzkir-chen. Neuentdeckte Baukultur in Böhmen, Mähren, Schlesien und der Slowakei,Wien- München 1986, Abb. 200-202.
Torsten Gebhard, Kachelöfen, Mittelpunkt häuslichen Lebens. Entwicklung,Form, Technik. 3., durchges. u. erw. Aufl. München, Callwey, 1983, 214 Seiten.Kachelöfen sind wieder„ in", unter dem Motto: zurück zur natürlichen Wärme.Die modernen Heiztechniken haben jedoch den befeuerbaren Ofen aus der städti-schen Wohnkultur weitgehend verdrängt, so daß sich der Wunsch nach einem„ gemütlichen“ Kachelofen nur in ländlichen Gebieten wieder realisieren läßt. In derbäuerlichen, dabei vor allem alpinen Wohnkultur findet der Kachelofen für die,, Bauernstube" im Wochenendhaus des Städters seine Vorbilder. Das vorherr-schende Angebot der Keramikindustrie, der grün- weiße Schüssel- und Buckel-kachelofen, kommt einer verbreiteten bürgerlichen Vorstellung vom Rustikalendabei entgegen.
Wer über diese Bewegung, die der Autor in seiner Einführung skizziert und derenAktualität auch im Mittelpunkt des Beitrags von Otto Hufnagel( Der Kachelofen inder Gegenwart) steht, hinaus, den Kachelofen nicht nur als Wärmespender ansieht,sondern auch geschichtliches Interesse daran findet, dem kann das Buch von TorstenGebhard stärkstens empfohlen werden. Hier wird der Kachelofen vorrangig als Bild-träger erkannt und präsentiert. Einem einleitenden Textteil des Autors folgt der vielumfangreichere Bildteil, in dem uns berühmte und weniger bekannte Beispiele ausdem mittel- bis osteuropäischen Raum vorgestellt werden. Die Auswahl zeigtObjekte der bäuerlichen Kultur, Prunköfen der Renaissance und des Barock ausweltlichen und klerikalen Hochkulturen, bürgerliche Ofentypen des 19. Jhs. und
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