Jahrgang 
90 (1987) / N.S. 41
Einzelbild herunterladen
 

und zwar am Dorfrand oder außerhalb der Stadtmauern, ohne Verwendung vonStein und Eisen, ohne Turm und Glocken, nur mit von der Hauptstraße abgewand-tem Eingang und vor allem nur in der, minderen Leichtbauweise mit Bretterscha-lung erbaut werden¹). Allein in der Slowakei gab es ursprünglich 38 solche Artikular-kirchen, von denen die ältesten aus dem 17. Jahrhundert in der Mehrzahl wohl Bund-werkbauten in der Art der großen evangelisch- lutherischen Kirche von Hronsek( ungar. Garanesek/ dt. Garamẞeg) in der Slowakei waren, die 1725/26 erbaut wordenist²).

Hier müßte weiters bedacht werden, daß die Anwendung von Bundwerktechnikenauch in Siebenbürgen allenthalben bei Scheunenbauten und an den Wehrgängen derdortigen Kirchenburgen festzustellen ist und Bundwerkstadel vor allem auch inInnerösterreich( Oberkrain, Kärnten und Steiermark) reichlich vorkommen. Hierüberall erscheint diese Bauweise namentlich bei Wirtschaftsgebäuden gegenüberdem ursprünglichen Blockbau eindeutig als sekundär, im ganzen also als jüngereBaugeschichte. Die bestimmende Frage der Herkunft" dieser Sparbauweise undihrer späteren zierhaften Hypertrophie kann vermutlich nur von einer vergleichen-den historischen Gefügeforschung befriedigend beantwortet werden, die von denEntwicklungen der baulichen Grundgefüge und-strukturen ausgehend und land-schaftsweise, konstruktionsanalytisch Formenschicht um Formenschicht abhebt.Erst so läßt sich dann zwischen den aus den spätmittelalterlichen Stockwerk- Ständer-bau- Gefügen abzuleitenden asymmetrischen Langstreben einfachster Art und denaus einer symmetrischen Kurzstrebentechnik von Kopf- und Fußbändern bzw. auserweiterten Andreaskreuzen entwickelten Gitterbändern des späteren 19. Jahrhun-derts in Ost- Oberbayern ein genetischer Bezug mit jeweils landschaftlichen Akzen-tuierungen herausarbeiten. Sicher in ganz anderer Richtung sind dagegen wohl diebesonders reichen Giebelbundwerke Tirols einzuordnen, die sich ja nur an den baye-risch- tirolischen und salzburgischen Grenzen mit dem flächigen Wandbundwerk inden Giebelzonen der Wohnhäuser überlappen. Ohne Frage treten hier andere Vor-aussetzungen in Geltung, die nicht zuletzt mit dem Wohnhausbau, der Entwicklungder Dachwerke und der Bausitte offener Hausgiebeln im südalpinen Bereich zusam-menhängen und die man eigentlich nicht mit dem geschlossenen Bundwerk der Sta-delwände direkt vergleichen kann, schon weil sie eindeutig viel älter und ganz andersstrukturiert sind, d. h. in dreidimensionaler Anordnung aus dem Aufbau der Stock-pfettengerüste hervorgehen, und allerdings auch bis in die jüngste Zeit herauf starkdem Gesetz der Verprächtigung am bäuerlichen Wohnhaus unterworfen sind.Schon aus den zahlreichen Abbildungen bei Werner ist zu ersehen, daß danebenauch in den Landschaften Tirols ein vielfältig gestaltetes Wandbundwerk besteht,das bisher freilich in der Entwicklung seiner z. T. sehr altertümlichen Gefüge unbe-achtet blieb, von denen sich jedoch ganz deutlich eine Brücke zu den bayerischenFrühdenkmälern im Lkr. Altötting und Mühldorf( Prader" in Goldau 1595/1608;Nodern bei Pfaffing, Lkr. Rosenheim, 1661; Ebing bei Waldkraiburg, Lkr. Mühl-dorf, 1712, usw.) schlagen ließe. Der Verfasser hat aus der besonderen Kenntnis undErfahrung mit seinem bayerischen Material Wege in diese Richtung eingeschlagen,wenn er Zum geschichtlichen Werdegang der Bundwerktechnik im nordöstlichenOberbayern( S. 17c- 19c) Stellung bezieht. Die, künstlerische Überformung desBundwerks" in ihrer jeweiligen stark zeit- und stilbedingten Bindung dürfte erst aufder Grundlage dieser gefüge- und baugeschichtlichen Sachverhalte deutlicher ver-ständlich zu machen sein, wobei auch wieder weniger die Hofbildung als solche,

174