Die Verfasserin versucht, die bisherige Kette der Untersuchungen, die sich bisherauf west- und süddeutsche sowie siebenbürgische Nachbarschaftsformenbeschränkte, mit ihrer Arbeit über eine geographisch geschlossene Landschaft inSchleswig- Holstein anhand der Landschaft„ Angeln“, zu durchbrechen. Sie wollteherausfinden,„ inwieweit die Nachbarschaften als integrierende Faktoren wirktenund durch ihre kulturellen und sozialen Leistungen eine Einheitlichkeit förderten"( Seite 8). Sie legt den Ansatz der„ Rechtlichen Volkskunde“ nach K.-S. Kramerihrer Untersuchung zugrunde, allerdings nicht ohne Ergänzungen hinzuzufügen.
Die Verfasserin hat ihr Ziel, ein möglichst genaues Bild der Nachbarschaften inAngeln in den letzten Jahrhunderten aufzuzeigen, und deren soziale und kulturelleLeistungen darzustellen, vortrefflich erreicht.
Manfred E. Ganz
Jürgen Brockstedt( Hg.), Regionale Mobilität in Schleswig- Holstein1600 1900. Theorie, Fallstudien, Quellenkunde, Bibliographie.(= Studien zurWirtschafts- und Sozialgeschichte Schleswig- Holsteins, hg.v. Arbeitskreis fürWirtschafts- und Sozialgeschichte Schleswig- Holsteins und Gesellschaft fürSchleswig- Holsteinische Geschichte, Band 1), Neumünster, Karl Wachholtz Ver-lag, 1979, 240 Seiten.
In der Gegenwart ist räumliche Mobilität eine allgemeine Erscheinung. Der heu-tige Mensch in Europa und Nordamerika wechselt im Laufe seines Lebens einmaloder mehrere Male seinen Wohnsitz, sowohl innerhalb seines Wohnortes als auch inder Region, im Verwaltungsbezirk und auch über die Grenzen hinweg. Diese Wan-derungen gab es früher nicht, denn die Menschen waren früher seẞhafter als heute.,, Wie es sich jedoch im einzelnen damit verhielt, wann die Mobilität zu- oderabnahm, welches die Ursachen dafür waren, welche regionalen und sozialen Verhal-tensunterschiede bestanden, wodurch Mobilität in der Vergangenheit überhauptausgelöst wurde, darüber wissen wir noch verhältnismäßig wenig.“( Seite 9.) Ver-schiedene wissenschaftliche Disziplinen beschäftigten sich mit dem vielseitigenThema der Mobilität, so z. B. die Bereiche Wirtschafts- und Sozialgeschichte,Raum- und Stadtplanung, Geographie, Soziologie und die Wirtschaftswissenschaf-
ten.
Der vorliegende Sammelband umfaßt zwölf Beiträge einer Arbeitstagung, die derobengenannte Arbeitskreis im Oktober 1978 in Kiel durchführte.
Zwei Abhandlungen( Kortum und Pusback) zeigen auf, wie schwierig es ist, miteiner allgemeinen Theorie die wichtigsten Probleme der regionalen Mobilität zuerforschen.
Über Forschungslücken und-möglichkeiten informieren zwei weitere Beiträge( Brockstedt und Momsen). Im weiteren folgen eine Arbeit über das Patriziat derNordschleswiger Städte( Kraack) und eine über die Mobilität von Lehrern und Schü-lern im 18. und 19. Jahrhundert( Fr. Kopitzsch, Holz und W. Kopitzsch), fernereinige Beiträge über wichtige Quellengruppen zur regionalen Mobilität, wie z. B.Volkszählungen( Momsen), Kirchenbücher und polizeiliche Melderegister( Hen-nings) und Bürgerbücher( Brockstedt).
Eine Bibliographie der bisherigen Veröffentlichungen zur regionalen Mobilität inSchleswig- Holstein von 1600-1900( Lorenzen- Schmidt) beschließt den Band.
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