Jahrgang 
90 (1987) / N.S. 41
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einschätzungen der Vergangenheit zu vermeiden, in der die Rolle der Religion( dasist z. T. sicher richtig) übertrieben und das patriarchalische Leben oft verherrlichtwurde( auch hier kann man zustimmen).

Es folgt der neben Dhrimo einzige wirklich volkskundliche Beitrag des Bandes:P. Thomo charakterisiert die Typen der albanischen Volksarchitektur, die sich inden einzelnen Regionen des albanischen Siedlungsgebietes gemäß ihren Funktionenund den geographischen Gegebenheiten unterschiedlich entwickelte. Es handelt sichdabei dieser Eindruck entsteht jedenfalls- um eine durchwegs eigenständige Ent-wicklung, der orientalische Glossar ::: zum Glossareintrag  orientalische Einheitsfirnis, der einst den gesamten osmanischenBalkan überdeckte, scheint Albanien ausgespart zu haben!

Die letzten drei Beiträge stammen von österreichischen Wissenschaftlern und bie-ten dem Rezensenten weniger Stoff zu Anmerkungen, als die albanischen Beiträge.K. F. Schappelweins Referat über die albanische Landwirtschaft fällt etwas aus demRahmen und konzentriert sich zudem auf die Nachkriegszeit. Die freiwillige" Basisder Kollektivierung dürfte vom Ausland her kaum überprüfbar sein. M. D. Peyfussbleibt seinen Aromunen treu und behandelt sehr informativ die Beziehungen zwi-schen Voskopoja und Wien, das in der Mitte des 18. Jahrhunderts Venedig als Han-delspartner ablöste. Von besonderem Interesse sind die Angaben über die Voskopo-jer Kolonie in Wien, die unter den dort ansässigen Orthodoxen eine hervorragendeRolle spielte. Der Wiener Orientalist Glossar ::: zum Glossareintrag  Orientalist M. Köhbach gibt einen sehr klaren Überblicküber die Entwicklung im Paschalik Skutari, wo die einheimische Dynastie derBushatlliu versuchte, sich mit auswärtiger Hilfe eine autonome, erbliche Herrschaftgegenüber der Pforte zu ertrotzen. Ausführlich wird vor allem auf die Zeit KaraMahmud Paschas eingegangen, der u. a. auch mit Kaiser Joseph II. in Kontaktstand. Der Artikel enthält auch detaillierte Angaben über die Stammesorganisationin Nordalbanien.

Insgesamt handelt es sich um einen sehr interessanten Sammelband, der einerseitsdie Stärken und Schwächen der albanischen Forschung aufzeigt und andererseitszeigt, daß außerhalb Albaniens auf dem Gebiet der albanischen Volkskunde nichtsgetan wird, und mangels Möglichkeiten zur Feldforschung wohl auch nichts getanwerden kann. Möglichkeiten für westeuropäische Forscher böten sich allerdings inJugoslawien an. Bisher aber bleibt die vom Ausland her betriebene albanischeVolkskunde historisch-- Vergangenheitsbewältigung.

Einige kleine Schönheitsfehler, die dem Rezensenten auffielen: Bei Schneeweis,S. 13, ist Anmerkung 2 sicher falsch. Es muß heißen: Gert Robel, Franz BaronNopcsa und Albanien. Ein Beitrag zu Nopcsas Biographie. Wiesbaden 1966. BeiSchwanke, S. 21, dürfte es sich bei Bara in Jugoslawien um Bar( Antivari) handeln;man soll die Albanisierung nicht zu weit treiben! Auf S. 26 dürften die Anmerkungenetwas durcheinandergehen( 49 wohl 51 usw.). Was Schwanke mit Bogdad meint,dürfte wohl nur er selbst wissen.

Peter Bartl

Václav Frolec( Hg.), Das Dorf im Prozeß gegenwärtiger Veränderun-gen/ Vesnice v procesu současných změn. Gesellschaftswissenschaftliche Studien/ Společenskovědní studie.(= Vlastivědná knihovna moravská, Bd. 48, Hg.:Museums- und Heimatkundliche Gesellschaft in Brno, Institut für Volkskunst inStrážnice), Brno 1986, 205 Seiten, Text in Deutsch und Englisch, tschechischeZusammenfassung.

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