Jahrgang 
90 (1987) / N.S. 41
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Literatur der Volkskunde

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Klaus Beitl, Barbara Mersich, Felix Schneeweis( Hgg.), Albanien Sympo-sion 1984. Referate der Tagung Albanien. Mit besonderer Berücksichtigungder Volkskunde, Geschichte und Sozialgeschichte am 22. und 23. November 1984im Ethnographischen Museum Schloß Kittsee( Burgenland);(= Kittseer Schriftenzur Volkskunde, Bd. 3). Kittsee, Ethnographisches Museum, 1986, 184 Seiten.Anlaß für das ebenso seltene wie begrüßenswerte Ereignis, daß albanische undwesteuropäische Wissenschaftler sich gemeinsam an einen Tisch setzen und ein Sym-posium veranstalten, war eine Ausstellung über albanische Volkskultur, die vonAlbanien bestückt wurde und die ebenfalls im Schloß Kittsee stattfand.

Die Volkskultur der Albaner hat von jeher in der Forschung ein starkes Interessegefunden, war doch Albanien ein Land, in dem sich, ähnlich wie in Montenegro,archaische Lebensformen bis in die jüngste Vergangenheit erhalten haben. Albanienwar also eine Schatzkammer, ein Land, in dem man noch ,, sammeln" konnte, mit derstarken Gewißheit, etwas Neues zu finden. Das kommt auch im ersten Beitrag, demvon F. Schneeweis, deutlich zum Ausdruck, der sich mit der SammeltätigkeitÖsterreichischer Wissenschaftler beschäftigt. Hier wird nicht nur auf bekannte For-scher, wie Nopcsa und Haberlandt, zurückgegriffen, sondern auch auf( jedenfallsdem Rezensenten) weniger bekannte eingegangen, wie auf L. Forstner undH. Heger, die während des Ersten Weltkrieges den durch österreichisch- ungarischeTruppen besetzten Teil Albaniens bereisten. Volkskundlich relevante Materialiensammelten in Albanien auch die dort tätigen Diplomaten, vor allem die konsulari-schen Vertreter der Donaumonarchie. Mit ihnen beschäftigt sich der Beitrag vonR. Schwanke. Schwanke, sicher einer der besten Kenner der Wiener Archivalien,bemüht sich, die unbestreitbaren Verdienste aufzuzeigen, die sich die Vertreter derMonarchie bei der landeskundlichen Erforschung Albaniens erworben haben. Erbeginnt sehr früh, mit den ersten Kontaktaufnahmen zwischen den Balkanchristenund Wien Ende des 16. Jahrhunderts, schildert dann die zum Scheitern verurteiltenVersuche einer politischen und militärischen Zusammenarbeit zwischen lokalenalbanischen Machthabern und dem Kaiser und schließlich die intensiviertere Tätig-keit der Vertreter Wiens nach Einführung der Tanzimat, als Österreich die Möglich-" keiten auszuschöpfen begann, die sich aus dem Kultusprotektorat ergaben.Schwanke hebt, m. E. völlig zu Recht, die positiven Auswirkungen des in Albanienheute umstrittenen Kultusprotektorats hervor. Er differenziert aber auch: Eindeutigpositiv werden Hahn, Ippen, Thallóczy, Rappaport und Kral bewertet, weniger gutkommen die Konsuln in Prizren weg, denen er mangelnde Objektivität vorwirft,

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