Jahrgang 
90 (1987) / N.S. 41
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Erwin Mehl

Aus dem Aufgebot von 15 Laudatores, die anläßlich der akademischen Feier zum80. Geburtstag von emer. Univ.- Prof. Dr. Erwin Mehl im Frühjahr 1970 jeder einanderes Teilgebiet seines Wirkens behandelten, läßt sich eindrucksvoll nachweisen,wie weitgestreut und vielseitig sein Wirken in zahlreichen wissenschaftlichen Diszi-plinen gewesen war. Auch seine rund 400 Publikationen auf dem Gebiet der Leibes-übungen sowie eine größere Anzahl philologischer und volkskundlicher Arbeitenlassen den Umfang seiner weitgehenden Interessen erkennen.

Erwin Mehl wurde am 28. März 1890 in Klosterneuburg geboren, studierte klassi-sche Philologie, verfaßte seine Dissertation( 1913) über den römischen Dichterphi-losophen Lukrez in lateinischer(!) Sprache und wies seine philosophischen Neigun-gen etwa auch durch eine Publikation über Schopenhauer als Ästhetiker" nach.Doch bald er bestand Lehramtsprüfungen aus fünf Fächern mit Auszeichnung--wandte er sich seinem eigentlichen Arbeitsfeld zu: den Leibesübungen. Bereits imStudienjahr 1919/20 erhielt Mehl seinen ersten Lehrauftrag für, Turngeschichte undLeichtathletik" im damaligen Turnlehrerbildungskurs, dem späteren Institut fürTurnlehrerbildung" an der Wiener Universität. Im Jahr 1922 gelang ihm die Grün-dung der Universitäts- Turnanstalt( UTA), von der er dann auch erster Leiter wurde.Er stellte die Ausbildung der Turnlehrer auf neue Grundlagen und führte das Mäd-chenturnen im österreichischen Schulsystem ein. Von 1938 bis 1945 war er stellver-tretender Direktor des Hochschulinstitutes für Leibesübungen und habilitierte imJahr 1940 über antike Schwimmkunst. Daraufhin wurde er 1941 für Lehre undGeschichte der Leibesübungen mit besonderer Berücksichtigung ihrer Beziehungenzur Kulturgeschichte, besonders Sprach- und Religionsgeschichte der erste diesbe-zügliche Honorarprofessor an einer österreichischen Universität. Sein akademischesLehramt übte er bis zum Jahre 1965 aus.

Seine zahlreichen Forschungen und Publikationen¹ zur Geschichte der Leibes-übungen ergeben insgesamt direkt eine Weltgeschichte² von Sport und Spiel von derVorzeit bis in die Gegenwart und brachten Mehl alsbald internationalen Ruhm:,, The greatest living authority in the early history of skiing", bemerkte etwa ArnoldLunns über Mehl zur Weltgeschichte des Schilaufs". Für seine Wertschätzungberedtes Zeugnis stellt auch die ihm gewidmete Festschrift dar, die unter dem Titel,, Zur Weltgeschichte der Leibesübungen nach einer Tabula Gratulatoria mit 300Namen über fünfzig Beiträge von Fachleuten aus aller Welt enthält, von Skandina-vien bis nach Spanien und von Amerika bis nach Australien.

Auch im Inland fand er- wohl etwas zögernder- entsprechende Anerkennung:etwa als Biograph von Matthias Zdarsky, dem Begründer der alpinen Schifahrtech-nik. Wegen seines Vorwortes zum voluminösen Grundriß des deutschen Turnens"( 1923, 1930) geriet er Jahrzehnte später in politische Kontroversen³, wie ihm über-haupt eine deutschnationale Grundtendenz unterstellt und vorgeworfen wurde. Erverfaßte eine Weltgeschichte des Kleiderringens", deren ältester Beleg bis in dieKultur der Sumerer zurückreichen soll"; er hatte sich mit dem Ranggeln schon früherbeschäftigt wie etwa in seinem Aufsatz ,, Woher kommt das Abnehmen der Schneid-feder? Seine zahlreichen Arbeiten über alte Badstuben sind gleichfalls von volks-kundlicher Bedeutung 10 wie Mehl ja eifriger Mitarbeiter der Österreichischen Zeit-schrift für Volkskunde" war und darin auch einige seiner Publikationen besprochenwurden¹².

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