Helmut P. Fielhauer( 8. 10. 1937-5. 2. 1987)
Am 5. Februar dieses Jahres ist in Wien nach langer schwerer Krankheit der außer-ordentliche Universitätsprofessor für Europäische Volkskunde Helmut Paul Fiel-hauer, Vorstand des Instituts für Volkskunde der Wiener Universität, im 50. Lebens-jahr verstorben. Sah es- nach einer plötzlich notwendig gewordenen und sich alslebensrettend herausstellenden Operation im Herbst 1985 in den ersten acht
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Monaten des Vorjahres aus, als würde Fielhauer die Krankheit besiegen, seine volleArbeitskraft wiedergewinnen können, so war ab September für Familie, Freundeund Mitarbeiter der körperliche Verfall unübersehbar, wiewohl das fachliche Inter-esse, die geistige Regheit, die menschliche Größe ungebrochen blieben. Wer ihn aufder Burgund- Exkursion im Frühherbst 1986, dann noch im Rahmen der NürnbergerMuseumsfahrt im November, in den letzten Lehrveranstaltungen im Dezembererlebt hat, wer seinen Kampf gegen ein scheinbar unausbleibliches Ende mitver-folgte, der hat sicherlich mit Fielhauer gehofft, ihm die nötige Kraft gewünscht, imGeheimen auch an Wunder glauben wollen- so etwa, daß seine Sehnsüchte der letz-ten Wochen und Tage in Erfüllung gingen: nach der Wärme des Frühlings, nach demWiedersehen mit Pehendorf( Fielhauers Waldviertler Zweitheimat), nach der Voll-endung zumindest einer Arbeit( nämlich der über„ seine“ Marchfelder Slowakenund Gutsarbeiter, jener von Fielhauer wiederentdeckten unbekannten Minderheitin Ostösterreich). Die Bücher dafür waren um sein Krankenlager gestapelt, das er-wie so häufig nicht an sich, sondern an andere( Mitarbeiter, Studierende) denkend- immer wieder verließ: noch in der Woche vor seinem Tod nahm er zwei Diplom-prüfungen ab, wohnte er einer volkskundlichen Habilitationskommissionssitzungbei, an deren Ausgang ihm besonders viel lag, weil er ihr für die Zukunft des Fachesin Wien große Bedeutung beimaß. In diese Zukunft der Volkskunde als einerproblemorientierten Wissenschaft hatten Fielhauers Arbeiten und Aktivitätengewiesen, ihr galt bis zuletzt sein Interesse, auch seine Sorge.
H. P. Fielhauer, am 8. 10. 1937 als zweiter Sohn des Amtsrates Dr. Otto Fielhauerund seiner Ehefrau Margaretha in Wien geboren, begann nach dem Besuch vonVolksschule und Realgymnasium in Wien- Währing 1957 an der Universität seinerHeimatstadt mit dem Studium der Germanistik und Anglistik, und zwar neben finan-ziell bedingter voller Berufstätigkeit als Postbeamter. Bald belegte er auch volks-kundliche( bei den Professoren Wolfram und Schmidt) und kunsthistorische Lehr-veranstaltungen und begann- z. T. aus Zweifel an in Vorlesungen Gehörtem – mitFeldforschungen in Niederösterreich. Schon 1961 holte ihn sein Lehrer Richard Wolf-ram als Mitarbeiter zum Österreichischen Volkskundeatlas( dem Fielhauer von 1964bis 1972 als Landesleiter für Niederösterreich verbunden blieb); 1962 erfolgte mitder Promotion zum Dr. phil. der Studienabschluß. Fielhauers- germanistischeDissertation, eingereicht beim bedeutenden Mundart- und OrtsnamenforscherEberhard Kranzmayer, beschäftigte sich mit sagengebundenen Höhlennamen inÖsterreich in ihr sah und fand Fielhauer eine Verbindung von Erzählforschung,Flurnamenkunde und Höhlenforschung. Der Speläologie hatte schon seit Gymna-sialzeit sein stark ausgeprägtes naturwissenschaftliches Interesse gegolten, dem eraber- aus schon erwähnten materiellen Gründen- das beabsichtigte Lehramtsstu-dium vorziehen mußte. Die sich bereits abzeichnende wissenschaftliche Laufbahnbegann 1963 mit der Ernennung zum Universitätsassistenten am von R. Wolframneugegründeten Institut für Volkskunde der Universität Wien( dem Fielhauer alsofast ein Vierteljahrhundert verbunden blieb). Etwa gleichzeitig nahm er als
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