Jahrgang 
90 (1987) / N.S. 41
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Mitteilungen

Vorüberlegungen zu einer Bio- Bibliographie der deutschen Volkskundein den böhmischen Ländern*)

Von Georg R. Schroubek

Daẞ ,, jeder Forscher die guten Bibliographen in sein tägliches Gebet einschließen"solle, daran hat schon mein Prager Lehrer, der Germanist Josef Körner, erinnert¹,und wie sehr er solchen fürbittenden Gedenkens in der Tat bedürftig sei, ist mir beider Vorbereitung dieses Referates wieder deutlich geworden. Ich möchte dahergleich vorausschicken, daß Sie von mir noch keine abgeschlossene Namenslisteerwarten dürfen und schon gar nicht eine fertige Bereitstellung der gewünschten bio-bibliographischen Daten; soweit ich solche bisher zusammengetragen habe, beruhensie nur zum Teil auf Autopsie, die ja selbstverständliches Gebot für jeden ernsthaf-ten Bibliographen ist. Was hier versucht werden soll, sind zunächst lediglich einigeBemerkungen über die Möglichkeiten und Schwierigkeiten bei der Erarbeitungeines Namenskatalogs sowie einige Überlegungen über mögliche Auswahlprinzipienund deren Problematik. Ich habe mich dabei auf Böhmen im engeren Sinn- alsoohne Mähren und Mährisch- Schlesien beschränkt, allerdings unter Einbeziehungder ehemaligen Sprachinseln Iglau und Schönhengstgau, die ja zu beiden Länderngehörten. Diese Beschränkung war aus Gründen der Arbeitsökonomie einfach not-wendig, sie ist aber, wie ich meine, auch vertretbar, weil die in unserem Zusammen-hang zu stellenden prinzipiellen Fragen in beiden Ländern praktisch dieselben sind.

Gleich die erste dieser Fragen: Wer hat überhaupt als deutsch- böhmischer Volks-kundler zu gelten? Ich bin da in einer ähnlichen Lage wie die Regionalhagiographender Barockzeit, die zu bedenken hatten, ob sie den Heiligen ihres Territoriums auchjene zugesellen sollten, die zwar dort geboren wurden, ihre Wunder aber außerhalbwirkten, und umgekehrt auch jene zwar Landfremden, die aber in ihrem neuen Wir-kungsbereich durch Mirakel glänzten. Dieses Problem müssen Hagiographie undVolkskunde von Fall zu Fall entscheiden. Für unser Projekt könnten sich gewisseÜberschneidungen vor allem mit( Alt-) Österreichern ergeben, die zu bereinigenaber für die Lexikonredaktion problemlos sein wird. Darüber, daß- zum Beispiel-

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