Jahrgang 
90 (1987) / N.S. 41
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Magie und Heilglaube in einem oberöster-reichischen, Wund- Segen- Büchelein"des 18. Jahrhunderts

Von Elfriede Grabner

Eine seltsame Mischung von christlichen Gebeten und Symbolenmit Heilsegen, magischen Buchstabenreihen und kreisförmigenSiegeln stellt ein handschriftliches Wund- Segen- Büchelein" ¹ ausOberösterreich dar, das mir durch Vermittlung des Österreichi-schen Museums für Volkskunde in Wien freundlicherweise vonFrau VS- Direktor Hermine Feischl aus Gaspoltshofen zu Studien-zwecken zur Verfügung gestellt wurde. Das in schwarzes, geprägtesLeder gebundene Büchlein im Format 15 × 9 cm enthält 183unpaginierte leicht leserliche, aber orthographisch unzulängli-che, handbeschriebene Seiten, in die, ungefähr ab der Mitte desTextes, auch farbige Handzeichnungen eingestreut sind. Das Büch-lein wurde in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, laut Ver-merk auf der letzten Seite, vom, Hochwürdigen Johann Karel Fer-dinant Gessel, Pfarrer zu Schwannerstadt verfaßt und im Jahre1843 vermutlich aus einer noch vorhandenen Vorlage abge-schrieben. Ein Bader namens Sebastian Binder soll es gewesensein, der dieses erhaltene Exemplar für Magdalena Seyringer, wiees eingangs vermerkt wird, angefertigt habe, freilich mit vielensinnstörenden Fehlern, was besonders dann in den lateinischenFormeln und Abkürzungen vielfach zu grotesken Verstümmelun-gen führte, da der Kopist des Lateins unkundig war. Der erwähnteJohann Karel Ferdinand Gessel war von 1741 bis 1764 Pfarrer inSchwanenstadt und später dann in St. Georgen bei Grieskirchen.Er gilt auch als Verfasser verschiedener Erbauungsbücher und reli-giöser Theaterstücke².

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