Jahrgang 
90 (1987) / N.S. 41
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Margit Berwing, Konrad Köstlin( Hgg.), Reise- Fieber. Begleitheft zur Ausstel-lung des Lehrstuhls für Volkskunde der Universität Regensburg(= RegensburgerSchriften zur Volkskunde, Bd. 2). Regensburg 1984, 246 Seiten, Abb.

Bärbel Hedinger, Michael Diers u. a., Saison am Strand. Badeleben an Nord-und Ostsee, 200 Jahre. Katalog einer Ausstellung im Altonaer Museum in Ham-burg, Norddeutsches Landesmuseum vom 16. 1. 1986 bis 31. 8. 1986. Herford,Koehler, 1986, 195 Seiten, Abb., Ktn.

Zwei Publikationen liegen hier vor, die sich mit einem wichtigen und bis jetzt nochnicht genügend beachteten Kapitel der Volkskunde beschäftigen, nämlich mit demReisen, dem Urlaub, dem Tourismus, seiner Geschichte und Entwicklung, seinenAusprägungen, Einflüssen und Verdinglichungen.

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Im Rahmen eines Seminars hat Konrad Köstlin an seinem Regensburger Instituteine Ausstellung zu diesem Thema erarbeitet, während das Altonaer Museum ver-sucht hat, aus seinen umfangreichen Beständen jene Objekte herauszuziehen, diesich mit dem Badeleben an den Stränden Norddeutschlands in Zusammenhang brin-gen lassen, das reicht von Bildzeugnissen diverser Art- Gemälden, Fotografien,Grafiken, Plakaten, Ansichtskarten über Textilien Strandhüte, Promenade-kleider, aber auch Trachten bis zu Modellen von Postkutschen, verschiedenenSouvenirs, Reisegepäck oder den ersten Schwimmbehelfen. Während sich die Ham-burger Ausstellung auf einen begrenzten Raum und die Ausprägungen einer speziel-len Art des Tourismus beschränkt, nämlich das Seebad, das immer auch eine gesund-heitlich- hygienische Komponente miteinschloß, faßt der Katalog aus Regensburgdas Thema weiter, mit einem Schwerpunkt allerdings auf dem bayerischen Raumunter zweifachem Aspekt: Die Bewohner Ostbayerns sind mit dem Reisen in zwei-facher Hinsicht konfrontiert: sie reisen nicht nur selber, sondern sie leben dort, woandere Urlaub machen und erfahren damit auch die Veränderung ihres Lebensdurch den Wirtschaftsfaktor Tourismus( S. 7). Von den Bildungsreisen reicht derBogen über das Reisen als Beruf- vgl. dazu z. B. den Aufsatz von Oskar Moser,Die Bilderhändler von Tesino, in: ÖZV XL/ 89, 1986, S. 309-327- über die Kur-und Badereisen bis zum Reisen als Vergnügen und Luxus und dem Massentourismusder heutigen Zeit, wobei man allerdings nicht übersehen darf, daß auch heute nochnicht alle Menschen dieselben Möglichkeiten zum Verreisen haben, selbst wenn mansich auf unsere engere Heimat beschränkt( z. B. Landwirte). Ein wichtiges Kapitelbehandelt Köstlin unter dem Titel Krieg als Reise", in welchem er auf die wichtigenErfahrungen und Prägungen eingeht, die junge Männer im Verlauf ihrer Militärzeiterfuhren. Hier sei vor allem auch auf die Zeit der österreichisch- ungarischen Mon-archie hingewiesen, die für manchen jungen Mann eine lange Zeit in einem kulturellvöllig fremden Gebiet bedeuten konnte. Aber auch heute berührt es oft seltsam,Männer über ihre Erlebnisse im Zweiten Weltkrieg reden zu hören, als wäre dieseZeit vor allem eine Möglichkeit gewesen, ferne Länder kennenzulernen. Dies auf-zuzeigen, nicht zu bewerten oder zu verurteilen, sollten wir uns noch viel mehr bemű-hen, wie überhaupt dem Thema Tourismus im weitesten Sinne größeres Interesseentgegenzubringen wäre. Auch in Österreich mit alten Fremdenverkehrszentren-wie z. B. das Salzkammergut oder der Semmering-, wäre auf diesem Feld noch vielzu erheben und aufzuarbeiten. Wie eng verbunden gerade mit unserem Fach die Rei-setätigkeit ist, zeigt schließlich auch die Tatsache, daß viele der bedeutenden Samm-lungen des Österreichischen Museums für Volkskunde, aber auch zahlreiche wich-tige theoretische Beiträge von Personen eingebracht wurden,

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