Jahrgang 
90 (1987) / N.S. 41
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der Bretagne, die hier sowohl zusammenfassend besprochen wie auch in jedem ein-zelnen Baufall mit Sorgfalt ausgewiesen werden. Als ältestes dieser Gerüstsystemefindet sich das urtümliche Scherenjochdach in den bretonischen Kernlandschaftender westlichen Halbinsel( Fig. 64:, The collar and tie- beam truss"), das der Verfas-ser eingehend bespricht( S. 81 f.) und auch in seiner Funktion beim Aufbau desDaches mittels Steignägeln immer wieder richtig einschätzt( Fig. 182a). DieserDachtyp, in Europa bei Strohdächern ungemein weit verbreitet, gilt für Meirion-Jones als Ausgangsform für das ebenso altertümliche Cruck- Dach( S. 82 undFig. 69), das hier gleichfalls und mit vergleichenden Hinweisen auf das übrige West-europa sowie auf die lebhafte Diskussion um seine Entstehung in der englischenHausforschung ausführlich behandelt wird. Von ähnlicher Bedeutung wären fernerdie Kapitel über die steinernen Rundbauten( ,, circular buildings, S. 115-158), diesehr eingehende Behandlung der sogenannten Langhaustypen als urtümliche Wohn-Stall- Hallen- Häuser(, the Long- house and its Derivates", S. 191-249) sowie dieoben schon erwähnte Darstellung von Hearth and Home mit der ursprünglichenCohabitation und der Sitte des Großraumwohnens um eine offene Feuerstelle.

Der Verfasser ist trotz der großen Ausdehnung des behandelten bretonischenRaumes um eine ausgewogene Berücksichtigung aller seiner Landschaften bemühtund bietet so vermutlich für Frankreich erstmalig eine fundierte großräumige Dar-stellung der historischen Baukultur außerhalb der Städte und der Hocharchitektur.Dadurch wird sein Buch von größtem Wert gerade für die volkskundliche Hausfor-schung in Europa; archäologische und historische Quellen sowie die facheinschlägigeLiteratur, zu der uns eine umfangreiche Bibliographie geboten wird( S. 376-391),sind berücksichtigt, und dem Ganzen sind außerdem äußerst nützlich- ,, Indexund Glossary" in Englisch, Französisch und Bretonisch angeschlossen, die demSuchenden und Fragenden nicht nur mit Ortsnamen und Forschernamen, sondernauch mit sehr trefflich glossierten Sachstichwörtern zu Hilfe kommen. Gwyn I.Meirion- Jones bietet uns damit ein Darstellungswerk für das atlantische West-europa, das man künftig in der europäischen Hausforschung nicht mehr wird über-gehen können.

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Oskar Moser

Olga Kruglowa, Volkstümliche Holzarbeiten in Rußland- geschnitztund bemalt. München, Callwey- Moskau, Isobrasitelnoje Iskusstvo, 1983, 183Seiten, 163 Abbildungen, viele davon in Farbe.

In diesem Bildband wird die Sammlung kunsthandwerklicher Erzeugnisse desMuseums von Sagorsk präsentiert. Aus der Einleitung erfahren wir, daß sie zu denwertvollsten und vollständigsten der russischen Volkskunst gehört, was auf die inten-sive, Ende der dreißiger Jahre dieses Jahrhunderts gestartete Sammeltätigkeitzurückzuführen ist. Selbst im Laufe der letzten zwanzig Jahre wurden vom SagorskerMuseum über fünfzig wissenschaftliche Expeditionen in den russischen Norden( Gebiete um Archangelsk und Wologda), zum mittleren und oberen Wolgalauf( Gebiete Gorki, Kostroma, Jaroslawl und Kalinin) und in westliche Gebiete( Smolensk, Pskow, Nowgorod und Leningrad) unternommen. Dabei wurden kost-bare Gegenstände vorwiegend aus dem 19. und aus den ersten Jahrzehnten des 20.Jahrhunderts, vereinzelt auch aus dem 17. und 18. Jahrhundert zusammengetragenund viele bis dahin unbekannte Zentren der volkstümlichen Kunst entdeckt.

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