Jahrgang 
90 (1987) / N.S. 41
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Ja, da ist man schon ein wenig nachdenklich, wenn dann noch in der ,, Wiener Zei-tung vom 11. Juli 1985, S. 5, in einem Beitrag von Michael John Geschichte vonunten. Die, Oral History' als neueste Disziplin der Historiker steht, daß: DenHistorikern die Disziplin Zeitgeschichte ausgenommen(...) die Methode dermündlichen Befragung als mehr oder weniger unwissenschaftlich( galt), die denVolkskundlern, Heimatpflegern und Journalisten überlassen bleiben sollte. Mittler-weile allerdings ist, Oral History' etabliert, mehr noch, es ist zum Forschungshit vorallem jüngerer Historiker geworden."

Was das unglückliche Wort Volkskunde" und sein Image betrifft, habe ich immerunbekümmert geglaubt, es gehe mehr um neue Inhalte und nicht um Modeworte.Langsam fühle ich mich jedoch wie auf einem sinkenden Schiff. Während andereDisziplinen aus den volkskundlichen Themen und Methoden Hits" machen, disku-tieren einige Kollegen immer noch darüber, ob u. a. die Stadt- und Arbeitervolks-kunde in unser Fach gehören oder nicht und viele Mitbürger immer noch nicht wis-sen, was die Volkskundler eigentlich machen. Da frage ich mich, sollte man sich auchnicht langsam retten und in sein, indem wir uns vielleicht zur Abwechslung, Volks-historiker" nennen und die amerikanischen Kollegen bitten, daß sie vielleicht alsneuen Hit die ,, Folkhistory" entdecken. Es klingt gut, oder? Ob die Culture Anthro-pologists mitmachen? Aber diese Überlegungen gehören schon zu einem anderenThema, und Herrn Ballhaus bitte ich, sie nicht persönlich zu verstehen.

Vera Mayer

Gwyn I. Meirion- Jones, The Vernacular Architecture of Brittany- Anessay in historical geography. Edinburgh, John Donald Publishers Ltd.,1982, VII+ 407 Seiten, über 240 Fig.( Pläne, Zeichnungen, Fotos, Karten usw.).Als einen, Essay in historischer( Kultur-) Geographie möchte Gwyn I. Meirion-Jones, London, dieses ungewöhnlich breit angelegte Werk über den ländlichenHausbau und vor allem über das Bauernhaus der Bretagne verstanden wissen. Er hatihm seit 1970 ausgedehnte und mehrjährige Feldforschungen gewidmet und darüberbereits über zwanzig Vorstudien veröffentlicht. Es geht ihm um jenes pays breton-nant" Frankreichs, das als Halbinsel weit in den Atlantik hinausreicht, das dem histo-rischen Herzogtum der Bretagne entspricht und mit seinen heutigen fünf Départe-ments( Finistère, Côtes- du- Nord, Ille- et- Verlaine, Morbihan, Loire- Atlantique) seit1297 bzw. 1515/1534 zu Frankreich gehört. In ihrer Natur- und Kulturlandschaft mitMenschen und Sprache stärkstens eigengeprägt, wird diese Region hier mit ihrenungemein altertümlichen und zugleich wechselvollen Hauslandschaften dargestellt,gewiß nicht zum ersten Mal, aber nun doch in einer sehr zeitgemäßen, eingehendenund zugleich alles Bisherige erfassenden Weise.

Der Verfasser hat dazu selbst mehr als 1000 Bauten, angefangen von Brunnen undBacköfen bis zu mehrgeschossigen, vielräumigen Wohnhäusern, aufgenommen undlegt nun sein Material in 16 Kapiteln mit einer aufschlußreichen Einleitung über Vor-aussetzungen, Ziel und Zweck seines Buches vor. Davon schildern die beiden erstendie Natur- und Kulturlandschaft der Bretagne. Kapitel vier bis sechs behandeln Bau-materialien und Baukonstruktionen( Wandbau, Böden, Dachdeckung Dach-gerüste, Feuerstätten, Kamine, Fenster, Türen, Plantypen). In sechs weiterenKapiteln beschreibt er sodann die Baubestände in morphologisch aufsteigender

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