zu festen Familiennamen gekommen ist als in den später besiedelten Kolonisations-gebieten des Nordwestens. Urbare und Grundbücher des 16. Jahrhunderts bewei-sen, daß die Familiennamen im Waldviertel in dieser Zeit fast zur Gänze gefestigtund in den heutigen Verbreitungsgebieten beheimatet waren. Die wesentlichumfangreicheren archivalischen Quellen des 16. und 17. Jahrhunderts geben dannüber die Tatsache Auskunft, daß ein beträchtlicher Teil der heute für das Waldviertelcharakteristischen Familiennamen erst nach 1500 entweder an Ort und Stelle oderauf Grund ständiger Einwanderungen als Folge von kriegerischen Ereignissen ent-standen sein muß.
In der Einführung gibt Pongratz eine kurze Darstellung der vorkommenden Fami-lien- und Rufnamen und ihre Ableitung aus altdeutschen und christlichen Ruf-namen, aus Herkunftsnamen, Berufsnamen und Standesbezeichnungen, aus Über-namen, Satznamen und den kleinen Anteil an Familiennamen slawischer oder un-klarer Herkunft. Dann folgt die alphabetisch geordnete Liste der Familiennamenvon Abtmayr bis Zwiczer unter Angabe der historischen Quelle, der Verbreitungs-gebiete, der Anzahl der Namensträger und einer vorsichtigen Namenserklärung.Wie eingangs schon gesagt, wurden alle verfügbaren Quellen bis 1500 berücksichtigt.Den Abschluẞ bildet eine geographische Übersicht über die Verbreitung einzelnerNamen und die Ausbildung ganzer Sippennester. Ein Ortsregister rundet die Arbeitab.
In der Neuauflage des Buches sind nun etwa 1000 neue Namen aus Urbaren,Grundbüchern und Herrschaftsakten aus der Zeit vor 1500 eingearbeitet, die derAutor in den vergangenen Jahren noch zusätzlich erhoben hat. Überdies konntenbei vielen Namensdeutungen, die ja eine besonders schwierige Aufgabe darstellen,Verbesserungen und Richtigstellungen auf Grund neuerer Forschungsergebnisseerfolgen. Dem neuen Familiennamenbuch ist ein ähnlicher Erfolg zu wünschen, wieihn bereits die erste Auflage erlebt hat, die schon bald nach ihrem Erscheinen ver-griffen war. Familienforschern, Germanisten, Historikern und Volkskundlern wirdes zweifellos ein wichtiges Nachschlagewerk sein.
Margot Schindler
Edmund Ballhaus, Dorfentwicklung im Spiegel der Fotografie und imBewußtsein der Bewohner am Beispiel Echte. Wiesbaden- Berlin,Bauverlag, 1985, 228 Seiten, 329 Abbildungen.
Den Gedanken E. Ballhaus', die Entwicklung und Veränderung einer Gemeindemit Hilfe alter und neuer Fotos und durch authentische Aussagen der Dorfbewohnerdarzustellen, wobei die Fotografie aus ihrer Funktion als Textbegleitung zum Leit-motiv erhoben wird, finde ich lobenswert. So stellt er fest:„ Sind die Eigenarten desMediums offengelegt und kritisch analysiert, kann die Fotografie über ihre traditio-nelle Aufgabe der Illustration hinaus wissenschaftlich genutzt werden“( S. 57). Damuß ich jedoch den Autor fragen, welche Wissenschaft er hier meint, die die Illustra-tion unwissenschaftlich verwendet. Die Volkskunde kann er wohl nicht gemeinthaben, da hier Fotografie und Zeichnung schon seit jeher eine wichtige historischeund ikonographische Quelle sind. Auch die Illustration hat normalerweise durch ihreVerbindung mit dem Text einen wissenschaftlichen Wert.
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