Jahrgang 
90 (1987) / N.S. 41
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Was die Ortskunden im einzelnen betrifft, so gäbe es natürlich dazu noch verschie-dene Anmerkungen zu machen. Ein Werk dieser Art kann jedoch kaum vollständigsein, und wie der Autor bei der Präsentation des Buches im Juni 1986 in Gmündselbst bemerkte, wird mancher, der bei seinem Heimatort nachschlägt, verschiede-nes vermissen. Im Falle von Hoheneich z. B. ist der Absatz zur heutigen wirtschaft-lichen Situation wohl gar zu knapp ausgefallen. Der Niedergang einer Reihe kleine-rer Textilbetriebe und anderseits das Entstehen von neuen Kleinunternehmen ist fürdie wirtschaftliche und soziale Lage eines Gemeinwesens doch von unbestreitbarerBedeutung und sollte damit in einer Ortskunde nicht ganz so stiefmütterlich behan-delt werden. Und wenn im historischen Teil die Häuserzahlen von 1795( 95 Häuser)und 1822( 124 Häuser) angeführt sind, so würde vielleicht auch die heutige von 1986( nämlich 404) interessieren. Daraus ergibt sich auch eine wirkliche Unrichtigkeit,denn die aus dem Hauer 1. Auflage 1924 übernommene Behauptung, daß die soge-nannten, Häuseln" der jüngste Teil des Ortes seien, stimmt einfach wirklich nichtmehr, bedenkt man die enorme Bautätigkeit der letzten Jahrzehnte( Hoheneich isteine der wenigen Waldviertler Gemeinden, die in den letzten Jahren einen Bevölke-rungszuwachs verzeichnen konnte), in denen eine Reihe völlig neuer Siedlungenentstanden ist. Solche Fehler wären vielleicht vermeidbar gewesen, hätte man dieOrts- Artikel im Hinblick auf die neueren Angaben durch die einzelnen Gemeindenselbst rezensieren lassen. Eine zusätzliche Durchsicht der Artikel hätte sich auch inbezug auf Druckfehler gelohnt. Trotzdem, diese wichtige Bezirkskunde gehört in dieBibliothek jedes interessierten Waldviertlers, jedes Historikers und Volkskundlersund eines jeden Menschen, dem Heimatkunde" etwas bedeutet.

Margot Schindler

Walter Pongratz, Die ältesten Waldviertler Familiennamen(= Schriften-reihe des Waldviertler Heimatbundes, Bd. 26). Krems an der Donau, Waldviert-ler Heimatbund, 1986², 204 Seiten, 4 Kartenskizzen.

Mit den ältesten Waldviertler Familiennamen legte Walter Pongratz 1986 eineweitere verbesserte und erweiterte Auflage eines Waldviertler Standardwerkes vor.Das 1960 zum ersten Mal erschienene Buch beruht auf der Sammlung und Erfor-schung allen erreichbaren Familiennamenmaterials aus der Zeit vor 1500,zusammengetragen aus den verschiedenen Stifts-, Stadt- und Staatsbibliotheken und-archiven. Aus dem ursprünglich privaten Interesse des Autors an der Erforschungseiner Waldviertler Vorfahren mütterlicherseits, die sich einige hundert Jahre langin den Matrikeln der Pfarre Großschönau nachweisen lassen, war im Laufe der Zeiteine Zettelkartei von rund 15.000 Belegen entstanden. Aus diesen filterte Pongratzwichtige Erkenntnisse über das Entstehen der Waldviertler Familiennamen, das sichim wesentlichen im 13. und 14. Jahrhundert als Ergebnis einer langen Entwicklung,über deren innerste Gründe noch nicht völlige Klarheit herrscht, vollzogen hat. Wiein den einzelnen Gegenden des deutschen Sprachraumes insgesamt, vollzog sich dieBildung der Familiennamen im Waldviertel ebenfalls zu verschiedenen Zeiten, undzwar im Zusammenhang mit der sozialen, siedlungsgeschichtlichen, siedlungs-geographischen und wirtschaftlichen Entwicklung einzelner Landschaften undStände. Auf Grund der Aufzeichnungen aus Quellen des 14. und 15. Jahrhundertsläßt sich erkennen, daß die Bevölkerung in den früh besiedelten Landesteilen früher

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