Jahrgang 
90 (1987) / N.S. 41
Einzelbild herunterladen
 

den Aufstieg zu einer renommierten Sommerfrische des Kaiserreiches mit einemregen gesellschaftlichen Leben und Treiben. Davon zeugen noch heute im Ortsbildeinige typische Gründerzeitvillen, die ebenso wie das neue Schloß Hoyos in ihrerGeschichte durch das Studium der Bauakten exakt aufgearbeitet und für die anhandbiographischer Unterlagen die familiären und sozioökonomischen Beziehungsfelderinstruktiv dargelegt werden konnten. Das heikle Problem, die unmittelbare Vergan-genheit objektiv darzustellen, löste die Verfasserin, indem sie die Schulchronikzitiert.

Dem reichen Inhalt in Wort und Bild entspricht das handwerklich gefertigteLayout, dessen Aufwand in keiner Relation zum günstigen Verkaufspreis steht. DieGutensteiner sind zu beneiden um dieses Werk!Michael Martischnig

Walter Pongratz, Paula Tomaschek u. a., Heimatkunde des BezirkesGmünd. Begründet von Rupert Hauer. Gmünd, Verlag der Stadtgemeinde,1986³, 679 Seiten, 165 Abb., zahlreiche Karten, Skizzen, Tabellen.

Lange Zeit lenkten Freunde des Waldviertels und Interessenten an dessen Hei-matkunde vergeblich ihre Schritte in Buchhandlungen und Antiquariate. RupertHauers berühmte und vielgefragte Heimatkunde des Bezirkes Gmünd war seit Jah-ren vergriffen und selbst antiquarisch kaum zu bekommen. Mit großer Freude kannnun vom Erscheinen einer neuen Auflage des Buches, der dritten, berichtet werden.Der profunde Waldviertelkenner und Landeskundler Hon.- Prof. Dr. WalterPongratz, seit über 20 Jahren Schriftleiter der Zeitschrift ,, Das Waldviertel", hat diewahrlich nicht leichte Aufgabe übernommen, dieses regionale Standardwerk zubearbeiten, um wesentliche neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu bereichern, imUmfang um viele Kapitel zeitgemäßer Landesforschung zu erweitern und neu her-auszubringen. Nach zehnjähriger Vorbereitungszeit, in der eine aus 22 WaldviertlerMitarbeitern bestehende Projektgruppe unter der Leitung von Walter Pongratz eineschier unglaubliche Fülle an Material zusammengetragen hat, liegt nun das fertige,679 Seiten starke Werk vor, das somit mehr als den doppelten Umfang der 1924erschienenen ersten Auflage erreicht hat. Zu seiner Zeit allerdings war die von dem1965 auf tragische Weise ums Leben gekommenen Pfarrer von Dietmanns, Ehren-dechant Rupert Hauer, verfaßte Heimatkunde des Bezirkes Gmünd sowohl von derinhaltlichen Anlage als auch von der quellenkundlichen Sachkenntnis her schlicht-weg vorbildlich. Hauer legte seine Bezirkskunde in zwei Teilen an. Der sogenannteallgemeine Teil umfaßt Kapitel zur Geschichte der Region, von der Kolonisation desBezirks bis zum Ersten Weltkrieg, und einzelne Abhandlungen zu Kunst- undKulturgeschichte, Rechts- und Schulwesen, Naturkunde und Wirtschaftsgeschichte.Die Volkskunde war mit den Kapiteln Volkssprache, Volkslied, Sagen, Geheimnis-voller Zauber( Volksglaube) und Hausinschriften vertreten. Dem aus Kirchberg amWalde gebürtigen Dichter des Waldviertels, Robert Hamerling( 1830–1889), warein biographisches Kapitel gewidmet, und einige seiner Gedichte sowie Ausschnittevon das Waldviertel preisender Prosa sind mit abgedruckt. Der zweite Teil, und daswar das Neue an dieser Heimatkunde, enthielt eine Ortskunde in der in alpha-betischer Reihung die Katastralgemeinden, Rotten und Einzelsiedlungen des Be-zirks durch Kurzdarstellungen vorgestellt wurden. 1951 erschien eine zweite, vomVerfasser erweiterte Auflage, in der die Passagen von und über Hamerling

71