Nützlich und lesenswert erscheint mir auch der zusammenfassende Überblick überdie„ Freilichtmuseen in Dalarna( Schweden)" von Roland Andersson( Leksand/Schweden), deren Gründung und Aufbau vor allem noch in das erste Drittel unseresJahrhunderts fallen und sich aus der damals herrschenden Heimatbewegung erklä-ren. Immerhin finden sich in dieser zentralschwedischen Wald- und Bergregion vonDalekarlien 50 solche Freilichtmuseen( Hembygdsgårdar, Gammelgårdar), derenBesuch und Studium im Jahre 1956 mir bis heute als ein wissenschaftliches Erlebnisunvergessen geblieben ist. Ihnen steht der Beitrag von Helmut Keim( Großweil/Deutschland) über das„ Freilichtmuseum des Bezirkes Oberbayern an der Glentlei-ten gegenüber, der die„ Museumsarbeit im Umbruch“ von heute mit ihren vieleninhaltlichen, organisatorischen, technischen, konservatorischen, pädagogischen undwissenschaftlichen Problemen und Aufgaben herausstellt. Hier also geht es umursprüngliche und neue Konzepte des Auf- und Ausbaues eines solchen größerenregionalen Museums, um die angewendeten Arbeitsmethoden, um das jeweils mög-liche und notwendige„ Vermittlungskonzept“ und um die heute immer deutlichergefragte Museumsbelebung“ und deren Problematik.
Einzelnen dieser gewichtigen und gar nicht leicht auch richtig zu lösenden Fragenwenden sich die folgenden Beiträge aus der Tschechoslowakei( Arbeitsformen derLandwirtschaft im Freilichtmuseum von Rožnov/ Nordostmähren) und aus Polen zu.Hier namentlich scheint man einem Generalplan zufolge die Fragen der Grünflächenund der Baumerhaltung in solchen Museen sehr ernsthaft verfolgt und erörtert zuhaben. Schließlich wird wieder über neuentstandene Museen in Polen berichtet, sou. a. von Jan Święch( Wloclawek/ Polen) über das 1980 angelaufene Projekt einessolchen Freilichtmuseums für die Region von Kujawien und dem Dobrzyń- Land.Und Danuta Blin- Olbert bringt einen Bericht über die gesamtpolnische Konferenzder Freilichtmuseen vom Oktober 1983 in Sanok.
Band 4 dieser dem Freilichtmuseumswesen im besonderen gewidmeten Schriften-reihe, meistens dreisprachig deutsch, englisch und polnisch- abgefaßt, scheintmir also für Museologen wie für Volkskundler wiederum überaus informativ, ja inseinen Hauptbeiträgen nachgerade unentbehrlich zu sein.
Oskar Moser
Hans Haid, Vom alten Leben. Vergehende Existenz- und Arbeitsformen imAlpenbereich. Eine aktuelle Dokumentation. Wien- München, Herold Verlag,1986, 343 Seiten, mit zahlreichen Fotos und Zeichnungen.
Der großformatige und umfangreiche Band hat sich die Vergegenwärtigung vonVergangenem- oder beinahe Vergangenem- zur Aufgabe gemacht. Es geht umkarges und entbehrungsreiches Leben in den Bergen der Alpen, wie es ,, dort obendie letzten" heute noch führen. Sie arbeiten 1986 noch immer mit teilweise vorindu-striellen Arbeitsmethoden und einem überalterten Gerätepark. Sie sind gezwungen,im extremen Gelände Gesundheit und Leben zu riskieren, um sich eine minimaleExistenzgrundlage zu schaffen. Hans Haid versucht, die Arbeitsweisen dieser Berg-bewohner festzuhalten.
Wenn auch der Titel des Buches romantische, rückwärtsgerichtete Sehnsüchtesuggeriert, darf der Leser angesichts des Textautors doch mehr erwarten- nämlicheine kritische Sicht nach rückwärts und in die Gegenwart.„ ,, Vom alten Leben ist
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