Jahrgang 
90 (1987) / N.S. 41
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nämlich auf jene Episode, in der Vater und Sohn dem Esel eine Stange durch diezusammengebundenen Beine stecken und ihn tragen. Bringéus deutete dies als einmundus- inversus- Motiv, fand damit allerdings nicht die Zustimmung aller Tagungs-

teilnehmer.

In den beiden nun folgenden Tagen wurde das Rahmenthema, von sehr unter-schiedlichen Ansatzpunkten ausgehend, verhandelt. H. Fischer und H. J. Utherbefaßten sich mit Sagen, in denen Bildwerke sowohl Bilder als auch Plastiken, einemehr oder weniger zentrale Rolle spielen. Während Fischer allgemein über das Auf-treten von Bildwerken in Erzähltexten sprach und dabei versuchte, eine ikonogra-phische Typologie" zu erstellen, schränkte Uther sein Referat auf eine Motivgruppe,das ,, sprechende und handelnde Heiligenbild", ein. Es ging um legendenhafte Erzäh-lungen, in denen religiöse Bildwerke, Heiligenbilder oder Kruzifixe unter besonde-ren Umständen als eine Art der Bestätigung des Wunders des christlichen Glaubensdie Fähigkeit erlangen, zu sprechen oder sogar zu handeln.

Mehrere Referenten setzten dagegen direkt bei den Bildzeugnissen an. So gabL. Röhrich einen Abriß zur Ikonographie der Hexe, berichtete H. Trümpy überIllustrationen zu Sagen, Schwänken und Witzen in schweizerischen Kalendern des19. Jahrhunderts, A. B. Rooth über Erzählmotive, Stereotypen und Sprichwörter inder Malerei Hieronymus Boschs und S. de Rachewiltz über Dreikopf und Dreige-sicht in der religiösen und profanen Ikonographie Südtirols. Im Rahmen einesTagungsberichtes ist es nicht möglich, auf alle Vorträge gesondert einzugehen. Hin-gewiesen sei deshalb nur mehr auf ein Referat, welches wiederum ganz andereAspekte des Themas eröffnete. Am Beispiel des Märchenmuseums Schloß Raabssprach K. Beitl über Probleme der Visualisierung, der musealen Präsentation vonErzählstoffen.

Das Konzept der Sagensymposien auf der Brunnenburgbegrenzter Teilnehmerzahl

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Arbeitstagung mit

führte auch in diesem Jahr wieder zu intensiven Dis-kussionen im Anschluß an die Referate und zu einem ausführlichen Abschlußge-spräch. Besonders die von L. Petzoldt aufgeworfene Frage, wie man denn heuteSammlungen von Sagen oder anderen Formen von Erzählgut illustrieren bzw. doku-mentieren solle, regte zu fruchtbarem Gedankenaustausch an.

Alles in allem wieder eine sehr anregende Tagung auf der Brunnenburg, bei derman sich lediglich mitunter der ursprünglichen Intention der Veranstaltung entspre-chend etwas mehr Bezug auf die tirolische bzw. alpenländische Erzähllandschaftgewünscht hätte. Diesem Wunsch will man im nächsten Jahr durch eine entspre-chende Themenstellung, auch darüber wurde in der Abschlußdiskussion gespro-chen, nachkommen.

Ingo Schneider

Bericht über die Tagung ,, Ländliche Siedlung und Gehöft in kulturell- historischen,geographischen und funktionellen Beziehungen( archäologisch- volkskundlicheParallelen)" vom 6. bis 9. Oktober 1986 in Strážnice/ Südmähren

Das archäologische und volkskundliche Material historisch- vergleichend auszu-werten war schon immer eine Notwendigkeit in der Hausforschung. Waren es jedochfrüher mehr oder weniger die prähistorisch- volkskundlichen Parallelen, so ver-

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