Probleme und Möglichkeiten schriftlicher
Quellen zur Alltagskultur
Dargestellt am Beispiel einer Umfrage der,, k. k. Landwirthschafts- Gesellschaft in Wien"*)
Von Olaf Bockhorn
-
Sachkulturforschung, die Erforschung von Arbeit und Wirt-schaft, Geräteforschung, oder wie auch immer die vielfach syno-nym gebrauchten Begriffe lauten mögen, haben in der Geschichteder Volkskunde( als einer primär im europäischen Raum arbeiten-den Kulturwissenschaft, die sich überwiegend mit den mittlerenund unteren Sozialschichten welche Umschreibung Günter Wie-gelmann in seiner Definition des Faches für den problematischenVolksbegriff gewählt hat¹- beschäftigt) immer einen nicht unbe-deutenden Stellenwert gehabt. In jüngster Zeit hat sich für diesenThemenbereich, nicht zuletzt auch unter dem Einfluß derGeschichtswissenschaft( es sei nur stellvertretend der Name JürgenKuczynski genannt²) der Ausdruck„ Alltagskultur" durchgesetzt³.Einer der Gründe, warum sich auch die Volkskunde dieses Begrif-fes bemächtigte, hat G. Wiegelmann folgendermaßen umrissen:,, Der Begriff, Alltagskultur bezeichnet knapp und klar jenen funk-tionalen Bereich, in dem die von den Sachforschern untersuchtenObjekte meist stehen.“ 4) Er bezieht also den„ Funktions- undMilieuzusammenhang“, den„ Kontext" mit ein, der bei isoliertenUntersuchungen etwa bestimmter Geräte, Hausformen, Klei-dungsstücke usw. häufig nicht oder zuwenig berücksichtigt wurde.Die Klage, die Volkskunde hätte diesem Thema zuwenig Aufmerk-
*) Vortrag, gehalten am 8. Jänner 1986 im Institut für Volkskunde der UniversitätGraz.
20